Kunstausstellung · Theater

Julian Hetzel - Schuldfabrik


Wie schlagen wir aus Schuld Kapital? Können wir sie überhaupt loswerden? In einem installativen Parcours geht Julian Hetzel dem Begriff der Schuld auf den Grund. Pointiert und überraschend zeigt er vielfältige Arten des Ablasshandels zwischen Schönheitsklinik und Seifenproduktion.

Schuld und Schulden – diese Begriffe sind untrennbar miteinander verbunden: Die Schuld als moralische, die Schulden als ökonomische Verpflichtung vervielfältigen einander gegenseitig. Julian Hetzels „Schuldfabrik“ erforscht diesen Konflikt und die Tatsache, dass wir schon bei der Geburt einen Rucksack an historischen oder religiösen Ereignissen umgehängt bekommen – eine Kollektivschuld, die wir nicht selbst verursacht haben.

Von seinem eigenen, ganz persönlichen „Schuldpaket“ ausgehend errichtet Hetzel für den steirischen herbst einen Parcours mit unterschiedlichen Möglichkeiten, Schuld in ihren verschiedenen Aspekten zu untersuchen – und vielleicht sogar zu tilgen. Das Publikum betritt etwa einen Concept Store, eine Schönheitsklinik, einen Beichtraum und eine Seifenfabrik. Darf man sich vom Schmerz einfach reinwaschen oder muss man sich dann schuldig fühlen? Die performative Installation macht Schuld und Schulden zu Rohstoffen, die verarbeitet, produziert und zu Objekten gemacht werden. Es gibt mehrere Eingänge, aber keinen Ausweg: Wer sich einmal in die Produktionsweisen der „Schuldfabrik“ begeben hat, hat keine Entschuldigungen mehr.

Der in Utrecht arbeitende deutsche Künstler Julian Hetzel bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Theater, Performance und bildender Kunst. Dokumentarische Ansätze vereint er mit politischen Dimensionen. Auf Einladung des steirischen herbst entwickelt er das Projekt „Schuldfabrik“. Verspielt, provokant, immer aber auch überraschend bringt er die kollektive Verpflichtung zur Erinnerung in einen Dialog mit dem individuellen Recht zu vergessen.


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