Klassik

Julia Hagen, Violoncello & Aaron Pilsan, Klavier


„[…] etwas von diesem Schurken Brahms gespielt. Was für eine talentlose S…! Mich ärgert es, daß diese selbstgefällige Mittelmäßigkeit als ‚Genie‘ anerkannt wird. Im Vergleich zu ihm ist Raff ein Gigant“, schrieb Tschaikowski am 9. Oktober 1886 in sein Tagebuch. Neben der Tatsache, dass Brahms unter den Komponistenkollegen keineswegs allseits geschätzt war, zeigt sich hier das große Ansehen, das seinerzeit Joachim Raff allgemein genoss. Als Komponist weitgehend Autodidakt, wurde Raff von Mendelssohn ermutigt und von Liszt gefördert, den er verehrte, während er, für einen „Neudeutschen“ eher ungewöhnlich, der Musik Wagners kritisch gegenüberstand.

Mit seiner Instrumentalmusik, darunter zahlreiche Kammermusikwerke wie die melodiöse und energiegeladene Cellosonate, avancierte Raff nach 1870 für knapp 50 Jahre zu einem der meistgespielten Komponisten des deutschsprachigen Raums. Demgegenüber wurden die Brahms-AnhängerInnen nicht müde zu betonen, dass ihr Idol gerade auf dem Gebiet der Kammermusik „seine eigenartige Begabung als absoluter Musiker“ offenbare. „In der Größe der Anlage, in der Tiefe des Gehalts, in der Mannichfaltigkeit der Einzelheiten, der Verschiedenartigkeit der Stimmungen überragt er hier selbst seine großen Vorgänger Mendelssohn und Schumann, und steht unmittelbar neben den Größten.“


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