Literatur · Theater

Josefine Mutzenbacher - Die Geschichte einer Wienerischen Dirne


Mercedes Echerer und Georg Biron servieren den dramatisierten Kult-Roman in erotischen Happen.

Sie setzt ihren Körper ein, um ihren tristen Lebensverhältnissen zu entkommen. Dank ihrer Begabung fürs horizontale Gewerbe wird sie zur reichen, kultivierten Frau: Josefine Mutzenbacher, legendäre Romanfigur, vermutlich vom österreichischen Schriftsteller Felix Salten erschrieben.

Die „Lebensgeschichte einer Wiener Dirne, von ihr selbst erzählt“, 1906 im Wiener Erotika-Verlag Freund in kleiner Auflage erschienen, gilt heute als Meisterwerk der erotischen Literatur. Spannend daran ist nicht nur der freizügige Zugang zu Lust und Begierde, sondern auch der Entwurf eines Sittenbilds des Wiener Proletariats am Ende des 19. Jahrhunderts. Die ungezähmte Sprache sowie die direkte Art der Darstellung klingen schnitzlerisch und frappierend modern.

Der Wiener Schriftsteller und Regisseur Georg Biron hat eine Bühnenfassung des Romans samt Fortsetzung erarbeitet, die er im humorvoll-sinnlichen Doppel mit Schauspielerin Mercedes Echerer serviert. „Das typisch Wienerische geht uns in der globalisierten Welt immer mehr verloren“, sagt Biron. In der Mutzenbacherin findet er „die kulturellen Wurzeln, die Einzigartigkeit der Sprache, den ganz besonderen ‚Schmäh’ sowie auch die ausschweifende Sinnlichkeit. Ich lebe in der Hauptstadt von einem ehemaligen Weltreich, und niemand kann so schön ‚Grüß Gott!’ sagen wie wir Wiener. Wir sind die Indianer Europas und wandern durchs Reservat der vergebenen Chancen. Wir haben Heimweh nach der Zukunft und wissen: Es gibt auf der ganzen Welt kein einziges Projekt, das nicht schon mindestens einmal in Wien gescheitert wäre. Außerdem ist es höchste Zeit, wieder einmal unverschämt zu sein!“


Künstler


Vergangene Termine