Kunstausstellung

Josef Winkler - Metamorphosen


Der Titel dieser umfassenden Werkschau von Josef Winkler geht einerseits auf eines seiner Bilder aus dem Jahr 2011 zurück, das einen mit rötlichem Farbton teilweise übermalten Totenschädel zeigt, auf dessen schwarzbraunem Hintergrund das Wort „Metamorphose“ gezeichnet steht.

Andererseits beschreibt Metamorphosen als Ausstellungstitel vor allem auch all jene bildnerischen Um- und Verwandlungen, die der Künstler innerhalb seiner vor etwa 25 Jahren gefundenen, primär gegenstandslosen, dem Informel nahestehenden Sprache immer wieder aufs Neue vollzieht. Durch die in der Ausstellung gezeigten Werke ziehen sich somit beide Aspekte: Metamorphose im Sinne einer Umwandlung des Lebendigen in andere, uns kognitiv nicht zugängliche Zustände, und Metamorphose im Sinne eines Wandels von Form und Gestalt.
Erstgenannter Aspekt läuft wie ein Basso continuo durch Josef Winklers Bild- und Gedankenwelt, indem innerhalb seiner gegenstandslos wirkenden Formulierungen Form- und Gestaltelemente auftauchen können, die an menschliche Köpfe bzw. Schädel, an (Fluss-)Steine oder andere organische und anorganische Versatzstücke von Natur erinnern. Hinzu gesellen sich bisweilen skripturale Zeichen wie Kreuze, Ziffern und Buchstaben, die sich gerne zu formelartigen Inschriften vereinen oder auch Zahlenfolgen und Wörter bilden wie etwa „alpha omega“ oder eben „Metamorphose“. Anfang und Ende, Kontinuität und Abbruch, Symbole der Ratio und des Archetypischen treffen hier gleichwertig aufeinander – und hinterfragen damit die uns geläufigen Trennungen zwischen Leben und Tod, Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit …

Dieser inhaltliche Aspekt geht Hand in Hand mit Josef Winklers künstlerisch-technischer Arbeitsweise. Frei von konkreten Vorstellungen (Gegenständen, Themen, Bild-Konzepten) begibt er sich stets in Dialoge mit seinen zuerst auf die Leinwand gesetzten Farbflecken und -strichen. Das Gestische, „Eruptive“, wie Winkler selbst sagt, steht dabei vor dem Gedanken an Form oder Komposition, auch wenn sich Letztere im Zuge jenes dialogischen Bildgenerierens entwickelt. Dieses geht nur so weit, bis das Bild jenen Punkt der „Stimmigkeit“ erreicht hat, an dem es einerseits für sich schlüssig „sitzt und steht“, andererseits aber auch das Potenzial der Öffnung und der Fortsetzbarkeit vermittelt.

Josef Winkler hat an der Wiener Akademie bei zwei großen Meistern der Farbe studiert: Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl. Erst um 1990 aber begann er intensiv als freischaffender Künstler zu arbeiten, nachdem er sich auf eine malerische Sprache eingelassen hatte, die am ehesten als „lyrische Abstraktion“ (George Matthieu) bezeichnet werden könnte. Seither hat er seinen Personalstil gefunden und stets weiterentwickelt: von einer farbintensiv-kontrastreichen Palette über eine zur Monochromie tendierenden Acrylmalerei zu einer mit Materialien wie Sand angereicherten Oberflächengestaltung bis hin zu seinen auf Weiß-, Grau- oder Brauntönungen reduzierteren Bildern der letzten Jahre. Bei aller Reduktion spielt für Josef Winkler das Erotische eine maßgebliche Rolle: „Das ist vielleicht das Credo meiner Malerei, wenn man von der rein farblichen Auseinandersetzung und Sensation, die sich auf einem Bild abspielt, zu dem geht, was unter der Bildfläche ist – und dieses Darunter immer wieder zum Durchbruch kommt.“
Lucas Gehrmann

Josef Winkler

geboren 1925 in Wien
lebt in Wiener Neustadt, Atelier in Wien

1946 Besuch der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt
1947/48 Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Prof. Josef Dobrowsky und Prof. Herbert Boeckl
1948-1950 Stipendiat an der Art School in Guildford, London/Großbritannien

Zu Beginn war Josef Winkler der Wiener Schule des Phantastischen Realismus verbunden, unterbrach seine künstlerische Laufbahn jedoch, um sich dem Kunsthandel zu verschreiben und widmet sich wieder seit 1990 als freischaffender Künstler der Malerei nun ausschließlich im Stil des abstrakten Expressionismus.

Ausstellungen (Auszug)
2015 Klasan Galerie, „Highlights der Art Austria“, Wien
2012 Kunst im Senat, „Josef Winkler: Arbeiten auf Papier“, Wiener Neustadt
2011 Galerie Wolfgang Exner, "Vorsicht Farbe", Wien
artmark galerie, “Quer”, Wien
2010 Tag der offenen Tür, Gissauer Wirtschaftstreuhand GmbH, Ollersbach
2009 artmark galerie, “Arbeiten auf Papier und mehr”, Wien
2008 Diözese St. Pölten, “Umdenken”, St. Pölten
2007 Galerie 16, “Josef Winkler”, Wien
2005 Figl Galerie Modern Art, St. Pölten
Galerie Wolfgang Exner, "Stripes-Lines-Colours", Wien
Galerie Wolfgang Exner, "Reduktionen", Wien
2004 Galerie Wolfgang Exner, "Hommage á Picasso", Wien
2002 Galerie Wolfgang Exner, "Take Five", Wien
2001 Evelyn County Estate Gallery, Melbourne/Australien
2000 Galerie Wolfrum, "Frühe Graphik der Wiener Schule", Wien
Galerie Kunstraum, "Winkler x 2", Wien
1999 Kunstverein Bad Salzdetfurth, Schlosshof Bodenburg, Deutschland
Kunsthandel Metropol, "From Alpha to Omega", Wien
Galerie Kunstfehler, "Spurensicherung", Wien
1995 Galerie Wolfrum, "Nicht nur die Farbe Blau", Wien
1992 Österreichisches Parlament, Wien
1991 Galerie Weihergut, "Ways into Abstraction", Salzburg

Sammlungen
Josef Winklers Werke sind fester Bestandteil verschiedener privater Sammlungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz.


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