Klassik

Josef Bulva, Klavier


Wolfgang Amadeus Mozart Sonate für Klavier B-Dur, KV 570
Ludwig van Beethoven Sonate für Klavier e-Moll, op. 90 Sonate für Klavier Fis-Dur, op. 78 Rondo a capriccio, op. 129, „Die Wut über den verlorenen Groschen”
Frédéric Chopin Sonate für Klavier Nr. 2 b-Moll, op. 35
Alexander Skrjabin Sonate für Klavier Nr. 3 fis-Moll, op.23

Josef Bulva, geboren am 9. Januar 1943 in Brünn, ist eine Ausnahme-Persönlichkeit mit einer beeindruckenden Lebensgeschichte. Seine Ausbildung zum Pianisten begann 1950 an der Musikschule von Napajedla, wo seine Familie damals lebte. Die zunächst mäßigen Anfänge im Klavierspiel erfuhren dank der Begegnung mit Prof. Václav Lanka eine Wendung. Er erfand eine spektakuläre Studienmethode, die sein Schützling mit dem entflammten Willenseifer des romantisierenden Kindes, aber auch einer unglaublichen Disziplin, kombinierte. Der junge Bulva feilte täglich stundenlang an seinen manuellen Fähigkeiten, was nach zweieinhalb Jahren zum Erreichen einer erstaunlichen Virtuosität führte und ihm den Ruf eines Wunderkindes einbrachte. Bereits mit 13 Jahren präsentierte er sich dem Publikum mit Klavierkonzerten von Mozart und Liszt und beeindruckte mit Spitzenwerken der virtuosen Literatur wie zum Beispiel Brahms Paganini – Variationen.

Seine einzigartige Begabung und Leistung blieben auch der Regierung der damaligen Tschechoslowakei nicht verborgen. Man nahm das begabte 12-einhalb jährige Kind von der regulären Schule und schickte es auf das Konservatorium – zwei Jahre jünger als seine Mitschüler – und schließlich nach Bratislava, wo der damals 17-Jährige in die Akademie der Künste aufgenommen wurde und sein Studium mit Auszeichnung absolvierte. Die darauffolgende ehrenvolle Ernennung zum Staatssolisten war die logische Konsequenz der Einschätzung des jungen Stars als willkommenes Aushängeschild der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik. Die renommierte Position garantierte Josef Bulva nicht nur die Möglichkeit einer konzentrierten Weiterentwicklung, sondern schenkte ihm auch die Chance zum regelmäßigen Konzertieren, woraus seine Podiumssicherheit resultiert.

Der junge Virtuose entwickelte allerdings eine weitere Aktivität, die er selbst als das Wichtigste für seinen künstlerischen Werdegang bezeichnet: Die enge Zusammenarbeit mit Komponisten. Er spielte zahlreiche Uraufführungen von Kompositionen für Klavier – die meisten davon ihm gewidmet – und studierte die Funktionen und das Zustandekommen der Musikstrukturen der jeweiligen Komponisten.

Seine Karriere wurde 1971 durch einen schweren Unfall abrupt unterbrochen, dem ein fast einjähriger Krankenhausaufenthalt folgte. Während dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, in den Westen zu gehen, da er überzeugt war, dort seine künstlerischen Ideale besser verwirklichen zu können. Wieder genesen, nutzte er 1972 seine erste Auslandstournee zur Emigration. Er wurde Staatsbürger des Großherzogtums Luxemburg und fand parallel in der heimlichen Musikhauptstadt Europas – München – seine zweite Heimat.

Von hier aus öffneten sich Josef Bulva die internationalen Konzertsäle sowie Rundfunk- und Schallplattenstudios (Teldec, ORFEO, Madacy, RCA). Bald eilte ihm der Ruf einer einzigartigen Künstlerpersönlichkeit voraus, die in der Fachwelt gefeiert wurde. Joachim Kaiser nannte ihn den „Pianisten des wissenschaftlichen Zeitalters“. Bulva ließ sich jedoch den Modalitäten des gängigen Musikbetriebs nicht unterordnen. Er zog sich zunehmend von den Konzertpodien zurück und die Aura des enigmatischen und schwierigen, wenngleich privat zugänglichen Künstlers, begann seinen Namen zu umhüllen.

Im März 1996 stürzte Josef Bulva auf einer eisglatten Straße und verletzte dabei seine linke Hand auf einer Glasscherbe so stark, dass seine Karriere als beendet galt. Der Welt blieben eine Reihe seiner Schallplatteneinspielungen zurück, aus denen die wichtigsten im repräsentativen Buch-CD-Set „The Art of Josef Bulva“ neu verlegt wurden (Amazon). Er selbst zog sich nach Monaco zurück, wo er sich einen neuen Lebensinhalt aufzubauen begann.

Doch wie vielseitig und erfolgreich die neuen Aktivitäten auch immer waren, sie schafften es nicht, seine Begabung und seinen Willen, ein Klaviervirtuose zu sein – „Bin geboren, um Klavier zu spielen“ – definitiv auszulöschen. In vollkommener Geheimhaltung, mit eisernem Willen und jener Disziplin, die ihn schon als Kind auszeichnete, begann er an der Wiederherstellung der Spielfähigkeit seiner linken Hand zu arbeiten. Nach exzellenter Chirurgie und einer enormen Rekonvaleszenzleistung unter Anleitung von Prof. Beat Simmen, Zürich, erkämpfte er sich seine alte Virtuosität zurück.

Nach 14 Jahren Konzertabstinenz, im Winter 2009, entschied sich Josef Bulva zur Rückkehr aufs Podium sowie in die Tonstudios und nahm damit sein lebenslanges Ringen um die Verwirklichung seiner Ideen zur Gestaltung des Klavierklanges wieder auf.


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