Pop / Rock

Jorge Sánchez-Chiong


Mit der multimedialen und interaktiven Performance SANTOVENIA, konzipiert vom in Wien lebenden gebürtigen Venezolaner Jorge Sánchez-Chiong, gastiert der Konzertzyklus des oenm erstmals in der ARGEkultur.

Der Titel bezieht sich zunächst einmal auf eine neoklassizistische Villa, die bestens gepflegt über einem völlig verfallenen Armenviertel Havannas thront und eines der ältesten Seniorenheime des karibischen Raumes beherbergt – eine von den Kubaner*innen in hohen Ehren gehaltene Institution.

Diese Oase mitten im Elend der Slums gibt nicht etwa die imaginäre Kulisse einer eindimensionalen Geschichte ab, sondern bildet den Anknüpfungspunkt für eine ganze Reihe von heterogenen Assoziationen, die sich gegenseitig durchdringen, selbst wo sie sich widersprechen. Die fragile Situation des Hauses im kubanischen Elendsviertel zieht eine ebenso instabile Erzählung nach sich, voller Tagträume und Halluzinationen, bis hin zum senilen Dämmerzustand.

Umgesetzt wird dieser verspielte Wahnsinn durch ein multimediales Konzept, das virtuelle und körperliche Realität auf mehrdeutige Weise verschränkt. Das Künstlerinnen-Duo TE-R, bestehend aus Louise Linsenbolz und Thomas Wagensommerer, hat dafür einen ‚Performance-Simulator‘ programmiert, eine Art Computerspiel, das Videoprojektion, darin auftretende virtuelle Charaktere, elektro-akustische Klangskulpturen und die Partitur der Musikerinnen in Echtzeit beeinflusst. Dabei reagiert die Game-Engine ihrerseits auf Impulse durch die Musikerinnen und des als DJ mitwirkenden Sánchez-Chiong, wodurch das Zusammenwirken aller Bühnenakteurinnen rückgekoppelt wird.

Santovenia, in der harten kubanischen Realität für viele Menschen die Endstation ihres Lebenswegs, wird so transformiert in einen mythischen Grenzraum zwischen Physischem und Virtuellem, in dem die bizarre visuelle und klangliche Szenerie dreidimensional begehbar wird.


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