Klassik

Jorge Luis Prats - Klavier


Was für ein Pianist! Welche Kraft und welcher Geist!», erinnert sich der kubanische Pianist Jorge Luis Prats an einen Klavierabend mit Claudio Arrau, bei dem er fast die Nerven verloren hätte. So sehr hat ihn sein Klavierspiel fasziniert. Längst vermag dies Prats mit seinem pianistischen Können. Geboren wurde er 1956 im kubanischen Camaguey. Er studierte an der National School of Arts, bekam ein Stipendium für das Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau, wo er Schüler des berühmten Rudolf Kehrer wurde. Anschließend setzte er seine Studien am Pariser Conservatoire und an der Wiener Musikhochschule, der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst fort, wo ihn Paul Badura-Skoda unterrichtete. «Aufregend und furchteinflößend für einen armen Jugend aus Kuba» nennt er die Erfahrungen, die er bei diesen prominenten Lehrern machte. Kehrer etwa konfrontierte ihn mit nicht weniger als sechzig Vorschlägen für ein bloß sechzehn Takte umfassendes Prélude von Alexander Skrjabin. Und Badura-Skoda machte ihn mit der großen Tradition von Wilhelm Furtwängler und Edwin Fischer, den bekanntlich auch Alfred Brendel zu seinen erklärten Vorbildern zählt, bekannt. Die dritte Lehrerin, die Jorge Luis Prats prägte, war Magda Tagliaferro, mit der er vor allem brasilianische Klavierliteratur erarbeitete. Vor allem Werke von Heitor Villa-Lobos, den sie noch persönlich kannte. «Nach meinem Sieg beim Marguerite Long-Jacques Thibaud Wettbewerb 1977 begann meine Karriere, und ich spielte in den meisten sowjetischen Satellitenstaaten sowie in Mexiko, Kuba und Südamerika. Einmal habe ich auch in der Londoner Royal Festival Hall gespielt», lässt Prats, der am liebsten «mit Witz, Freiheit und vor allem der Überzeugung, dass der Komponist am wichtigsten ist», spielt, die ersten Jahre seiner internationalen Laufb ahn, die ihn mittlerweile in alle bedeutenden Musikzentren und zu zahlreichen bedeutenden Orchester geführt haben, Revue passieren. Zu seinen Schallplatteneinspielungen zählen Konzerte von Beethoven, Chopin, Grieg und Rachmaninow. Er hat als Erster Skrjabins 24 Préludes eingespielt, zuletzt eine international hoch geschätzte CD mit Werken von u. a. Villa-Lobos und einem der schwierigsten Virtuosenstücke, den «Goyescas» von Enrique Granados. «Die beste Einspielung dieses Werks», konnte man in einem Fachmagazin lesen. Ein nicht minder kräfteraubendes Werk eines spanisches Komponisten hat Jorge Luis Prats auf dem Programm, wenn er zum zweiten Mal im Großen Saal des Wiener Konzerthauses auftritt: die sich auf vier Hefte zu je drei Stücken verteilende Sammlung «Iberia» von Isaac Albéniz. Dazu u. a. Liszts «Rhapsodie espagnole» und Ravels halsbrecherischen «Gaspard de la nuit».

Programm:

Maurice Ravel
Gaspard de la nuit. Drei Gedichte für Klavier nach Aloysius Bertrand (1908)

Alexander Skrjabin
24 Préludes op. 11 (1888-1896)






Isaac Albéniz
Almería (Iberia-Suite, 2. Heft) (1906)
Málaga (Iberia-Suite, 4. Heft) (1908)
Triana (Iberia-Suite, 2. Heft) (1906)
El polo (Iberia-Suite, 3. Heft) (1907)
Jerez (Iberia-Suite, 4. Heft) (1908)
Lavapiés (Iberia-Suite, 3. Heft) (1907)

Franz Liszt
Rhapsodie espagnole S 254 (1863)


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