fleck-0.jpg

© Kevin Rieseneder

Konzert

Jo Strauss - Der blinde Fleck

Showtimes

Vergangene Showtimes

19:30 - 23:59
Radiokulturhaus

Der Kabarettist und Sänger Jo Strauss überrascht und überzeugt als humoristischer Philosoph, eleganter Lyriker und Liedermacher.

Wenn ein Songwriter mit seiner Band mit dem "Scharfrichterbeil" und dem "Salzfassl" spielend zwei renommierte Kabarettpreise einstreift, lassen sich daraus gleich zwei mögliche Schlüsse ziehen: Der Songwriter ist eigentlich ein grandioser Kabarettist - oder der Songwriter schreibt Songs, die in ihrer lyrischen Wucht auch hochkarätig besetzte Kleinkunst-Jurys überzeugen können. Auf Jo Strauss trifft tatsächlich beides zu. Dem Kabarettisten und Sänger gelingt es gleichermaßen zu überraschen und überzeugen: Als humoristischer Philosoph, eleganter Lyriker und Liedermacher mit reibendem Timbre und ausgeprägtem Gespür für schöne Klänge.

Eine Sache scheint offensichtlich an Jo Strauss: Seine Stimme. Sie drängt sich prägnant in den Vordergrund und lässt erstmal innehalten. Umso überraschender ist das, was der Künstler offenbart, wenn man diesen blinden Fleck überwunden hat. Auf der Bühne wie im Studio liefert der Linzer keine halben Sachen. Seine Texte sind geradeaus schön, intelligent und lustig. Dass er zwischen seinen Werken zu einem brillanten Kabarettisten wird, wurde oft genug betont. Seiner blinden Flecken scheint sich Jo Strauss sehr bewusst zu sein. Er deckt sie auf oder lässt sie demonstrativ bestehen.

Die tragende Spannkraft seiner Musik entsteht aus dem Gegensätzlichen. Wenn die harte Stimme auf dem weichen Jazzgewand der Band reibt, wird beides sicht- oder besser: hörbarer. Tiefer im Text spielen sich die Antagonismen gegenseitig den Ball zu. Da wird im Hässlichen das Schöne besungen und umgekehrt; da verweist der blinde Fleck auf das größere Bild; da singt Jo Strauss ein ganzes Lied lang nur von einem einzigen Moment.

Jo Strauss besingt Momente und Situationen, die sich so bekannt anfühlen, als hätte man sie selbst erlebt. Und insgeheim wünscht man sich beim Hören, seine eigenen Gedanken so schön formulieren zu können wie diese raue Stimme im Ohr. Damit kümmert sich Jo Strauss um die blinden Flecken seiner Zuhörer. Wo das Publikum aufhört, denkt der studierte Philosoph noch ein bisschen weiter, wenn auch nicht unbedingt kerzengeradeaus.