Tanz

Jérôme Bel - Gala


Der Verdacht liegt nahe, dass „Gala“ ins Altfranzösische rückverfolgbar ist und „Vergnügen“ bedeutet. Dieser Verdacht scheint sich zu bestätigen, wenn man Jérôme Bels „Gala“ beiwohnt. Der umtriebige französische Choreograf lädt eine bunt-gemischte Gruppe von Menschen ein, sich zu einem Abend des Tanzes zusammenzutun.

Das zwanzigköpfige Ensemble umfasst Alt und Jung, Tanzlaien und Profitänzer_innen, Menschen mit unterschiedlichen Konditionen. Und trotz dieses Aufgebots an Heterogenität ist es nicht die Debatte um Theater als inklusiven Ort oder um ein Teilhabe-Projekt, die hier geführt wird. Der Abend gehört der Hingabe an den Tanz, der Hingabe an den Menschen in seiner Einzigartigkeit und der Möglichkeit, ihn in seinem Sein im Tanz zu entdecken, zu erfahren.

„Ich glaube, dass das Imaginieren des Tanzes für diese Arbeit wesentlicher ist als seine Ausführung, dass jeder Tanz ein Bericht an die Welt ist (...)“, so Jérôme Bel. Über den Abend, durch die diversen Tanzschnipsel und Tanz-Form-Einsprengsel entwickeln sich also Erzählungen, dort wo andernfalls nicht gesprochen, nicht erzählt wird. Es entsteht ein Reichtum in der Kakophonie, in dem Stimmendickicht und Gewirr der unterschiedlichen Bewegungspostulate, den Abstürzen von Choreografisch-Erwartetem.

„Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.“, so Samuel Beckett. Zuletzt arbeitet sich William Forsythe mit seinem „Yes, we can’t“ an der Beckett’schen Ode an das Missgeschick ab. Auch Jérôme Bel ist bedingungsloser Verfechter der Schieflage, die das sogenannte Misslungene bedeutet und erkennt im Scheitern die Ermöglichung der Neubefragung.

Das vielleicht noch nie Gesehene, noch nie Erfahrene, das Neuartige, das Eigenwillige blitzt an seinem „Gala“-Abend wie die Cheshire Cat der Alice im Wunderland immer wieder auf. Das Verschmitzte, das Heitere, der Zugewinn an Perspektiven mag eines der geheimnisvollen Erfolgsrezepte sein, warum der Abend die Menschen vielerorts bereits derart berührt und bewegt hat.

Und die Virtuosität? Ja, auch die kommt vor. Sie wird jedoch zur Nebensache, zur Teil-Sache – sie ist eben nur ein Merkmal von vielen an diesem Abend der „Gala“. Denn da wo das Können an seine Grenzen stößt, fängt durchaus das Vergnügen an.


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