Theater

Jedermann


Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes

Julian Crouch, Brian Mertes, Regie
Julian Crouch, Bühne, Masken und Puppen
Olivera Gajic, Kostüme
David Tushingham, Dramaturgie
Martin Lowe, Musikalische Leitung / Orchestrierung
Dan Scully, Lichtdesign
Matt McKenzie für Autograph, Sounddesign
Jesse J. Perez, Choreografie

BESETZUNG

Cornelius Obonya, Jedermann
Brigitte Hobmeier, Buhlschaft
Peter Lohmeyer, Tod
Simon Schwarz, Teufel
Jürgen Tarrach, Mammon
Sarah Viktoria Frick, Werke
Hans Peter Hallwachs, Glaube
Julia Gschnitzer, Jedermanns Mutter
Patrick Güldenberg, Jedermanns guter Gesell
Hannes Flaschberger, Dicker Vetter
Stephan Kreiss, Dünner Vetter
Fritz Egger, Ein Schuldknecht
Katharina Stemberger, Des Schuldknechts Weib
Johannes Silberschneider, Ein armer Nachbar
Sigrid Maria Schnückel, Der Koch
Florentina Rucker, Gott
Tamzin Griffin, Doris Kirschhofer, Saskia Lane, Chad Lynch, Orlando Pabotoy, Jesse J. Perez, Penelope Scheidler, Robert Thirtle.

Hugo von Hofmannsthal schrieb den Jedermann 1911, nur drei Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Zu dieser Zeit bereitete sich längst die Katastrophe vor, die weder in den Schuldzuweisungen der Sieger noch in den Verteidigungsversuchen der Besiegten ihre Erklärung findet: Die Großmächte Europas, Russland und die USA machten sich daran die Welt aufzuteilen. Die Kriegsgründe waren kollidierende imperialistische Gier, Großmachtstreben, Profitsucht und Chauvinismus unter allen Beteiligten. Die Mittel dieser neuen Herren der Welt, ihre Macht zu entfalten und zu sichern, waren skrupellos und mörderisch und führten folgerichtig zur letzten Konsequenz: dem Krieg.
Gleichzeitig und mit infamer Logik standen die Europäischen Länder in nie gekannter Blüte. Stefan Zweig schreibt in Die Welt von Gestern: „Nie war Europa stärker, reicher, schöner, nie glaubte es inniger an eine noch bessere Zukunft.“ Und über das Jahr 1914: „Alles lag eben und hell vor meinem Blick, in diesem meinem zweiunddreißigsten Jahr; schön und sinnvoll wie eine köstliche Frucht bot sich in diesem strahlenden Sommer die Welt. Und ich liebte sie um ihrer Gegenwart und ihrer noch größeren Zukunft willen. Da, am 28. Juni 1914 fiel jener Schuss in Sarajevo, der die Welt der Sicherheit und der schöpferischen Vernunft, in der wir erzogen, erwachsen und beheimatet waren, in einer einzigen Sekunde wie ein hohles tönernes Gefäß in tausend Stücke schlug.“

Sinnsuchend und mahnend wendet sich Hofmannsthal, einst die Hoffnung der Wiener Avantgarde, in dieser leuchtenden Zeit ausgerechnet dem finsteren Mittelalter zu und schreibt ausdrücklich für ein aufgeklärtes großstädtisches Publikum ein Mysterienspiel. Dieser Versuch wurde von Kritikern als obskurer Anachronismus und literarische Missgeburt vernichtet. Das Publikum hingegen nahm das Stück wundersamer Weise begeistert an. An dieser denkwürdigen Differenz hat sich bis heute nichts geändert.


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