Theater

Jedermann


Jeder Mann und jede Frau werden die dramatischste Begegnung ihres Lebens nicht vermeiden können, diejenige mit ihrem Tod. Über diese simple aber zwingende Tatsache ein bewegendes, komisches und treffend bissiges Theaterstück geschrieben zu haben ist einer der grössten Verdienste des Schriftstellers Hugo von Hoffmannsthal.

Eigentümlicherweise hat sich, angeführt durch die Arbeiten namhafter Festspiele, die Ansicht durchgesetzt, man müsse das Stück als großes, üppig ausgestattetes Freiluftspektakel zelebrieren, mitunter auch als religiöses Weihespiel. Kern des Werkes und damit auch Quelle seiner zeitlosen Gültigkeit sind jedoch die klugen, starken Dialoge, die zuweilen fast kabarettistisch, zuweilen gar philosophisch mit unerbittlicher Dringlichkeit dem, uns alle so oft sprachlos machenden, Thema seine einzigartige Sprache verleihen. Wie behandel ich meine Mitmenschen, welches Eigenbild habe ich von mir selbst und meinem Handeln, was macht Besitz und Geld mit meinem Charakter, welche Bilanzen zählen am Ende, und überhaupt, dieses Ende, wie wird es sein?

Zum ganz besonderen Anlass „900 Jahre Kottingbrunn“ hat sich die Kulturszene Kottingbrunn für ihre Sommerproduktion 2014 also dieses Lebenskrimis angenommen, um gemeinsam mit dem Publikum dem Geheimnis Theater wieder eine Spur näher zu kommen: Der ersehnten Verschmelzung von bester Unterhaltung, bescheidener Weisheit, bewegender Rührung und befreiendem Humor. Für Jedermann.

Inhalt
Gott ist sauer, weil der Mensch nur noch nach den irdischen Gütern strebt, nach Geld und Besitz. Daher sendet er seinen Boten, den Tod, um jedermann, den es betrifft, zu seinem Gerichtstag abzuholen.
Der Tod trifft als erstes auf Jedermann, einem Paradebeispiel dieser dem Materiellen ergebenen Gesellschaft. Er weiß sein Diesseits und sein Geld, das ihm hier die Macht gibt, zu genießen und hält üppig Hof mit seiner Spaßgesellschaft inklusive der Geliebten. Der Tod kommt, unterbricht das Gelage, und räumt ihm eine letzte Frist ein, um jemanden zu finden, der bereit ist, ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Aber wen er auch fragt, bittet, bedroht, ja anbettelt, keiner ist dazu bereit.
Sein Geld nützt ihm nichts, die Liste seiner Werke ist kümmerlich, sein Glaube glaubt ihm nichts mehr. Und erst jetzt, nach diesem Scheitern, an seinem Ende, gewinnt Jedermann so etwas wie Erkenntnis.
Und der Teufel lästert über die Scheinheiligkeit der Erfindung Welt.

BESETZUNG in der Reihenfolge ihres Auftrittes:

Gott – Walter Benn
Tod – Alice Schneider
Jedermann – Oliver Huether
Koch – Martin Hauer
Nachbar – Toni Fritz
Hausvogt – Regina Brunner
Gesell – Wolfgang Rauh
Schuldknecht – Harald Brutti
Schuldknechts Weib – Gabi Mattehs
Deren Kinder – Florentina Felix u.a.
Jedermanns Mutter – Renate Zojer
Buhlschaft – Nicole Rest-Lankmayer
Kurzer Vetter (Spielansager/Vorsänger) – Mel Stein
Langer Vetter – Franz Schiefer
Fräulein – Katharina Brunner
Mädchen – Lara Baumann
Gast – Leo Brunner
Mammon – Anna Hasenöhrl
Werke – Simone Fröhlich
Glaube – Walburg Weissenböck und Franz Grünwald
Teufel – Manuel Sefciuc

Regie: Anselm Lipgens
Musik: Martin Paset
Kostüme: Susanne Özpinar
Bühnenbild: Diana Auer


Vergangene Termine