Literatur

Jean-Philippe Toussaint - Nackt


Ein Kleid aus Honig bildet den Höhe¬punkt der Herbstkollektion, die Marie in Tokyo präsentiert. Nackt, nur mit glän¬zender Süße überzogen, schreitet das Mannequin über den Laufsteg, gefolgt von einem lebenden Bienenschwarm. Ein erhabener und doch fragiler Moment, der erst Perfektion erlangt, als die minu¬tiöse Planung dramatisch scheitert … Mit dieser umwerfenden Szene beginnt der neue Roman von Jean-Philippe Toussaint um die Modeschöpferin Marie Madeleine Marguerite de Montalte. ...
Am Ende des gemeinsamen Sommers wartet der Erzähler vergeblich am Fenster seiner Pariser Wohnung auf ihren An¬ruf. Seine Erinnerung führt ihn zurück zu der Nacht in Tokyo, als er Marie durch ein Fenster auf dem Dach eines Museums beobachtete und ihr in Gedanken sagte, was er nicht laut auszusprechen wagt (...) Im vierten und letzten Teil des Romanzyklus zeigt Jean-Philippe Toussaint sich erneut als Meister des fiktiven Spiels. Mit der Überlappung von Ebenen der Wirklichkeit und Wahrnehmung und dem Verflech¬ten von Zeiträumen entwirft er eine zarte, perfekt aus¬tarierte Kreation, an deren ozeanische Bewegung sich das Liebespaar schmiegt – das glänzende und hochliterarische Finale für Marie und den Erzähler. (zu: Nackt, FVA)


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