Klassik

Jasminka Stancul - Klavier


Bei Ludwig van Beethoven wird die Variation, noch mehr als bei Joseph Haydn, zu einer zentralen Form im Gesamtschaffen des Komponisten: Von seinen Instrumental-Kompositionen bis 1800 sind etwa ein Drittel Variationen oder enthalten Variationssätze und in der Zeit von 1800 bis 1812 wurde die Variation verstärkt in größere Formeinheiten einbezogen. Vollends trat die in einem Sonatenzyklus eingeordnete Variation in der letzten Schaffenszeit von 1818 an in den Vordergrund, sodass nun mindestens jedes zweite Werk Variationen oder variationsähnliche Sätze enthält. Beethovens 32 Variationen über ein eigenes Thema c-Moll besteht aus einem achttaktigen Thema im Dreivierteltakt mit der Tempobezeichnung Allegretto und 32 Variationen desselben, die sich in Charakter, Dynamik und technischer Schwierigkeit extrem unterscheiden. Das kurze, einfache Thema und die Wichtigkeit der Basslinie legen einen musikalischen Verweis Beethovens auf die Barocktanzform der Chaconne nahe.

Beethoven II – Im Schatten des Mondscheins
Beethovens Klaviersonate, op. 27,1, ist das wenig bekannte Gegenstück zu seiner Mondscheinsonate. Für beide Sonaten, die er 1801 vollendete, wählte er den Titel Sonata quasi una fantasia, womit er auf die freien Fantasien anspielte, wie sie Pianisten damals (wie die Jazzer heute) gerne und oft im Konzert improvisierten. Die vier Sätze der Es-Dur-Sonate wirken wie vier Abschnitte einer solchen Musik aus dem Augenblick: langsame Einleitung, virtuoser Einschub, neuerlicher langsamer Teil und schnelles Finale.

Russische Jahreszeiten
Tschaikowskys „Jahreszeiten“, neben der Folge von vierundzwanzig kostbaren Klavierstücken „à la Schumann“ für Kinder (Kinderalbum op. 39) sein beliebtester Klavierzyklus, verdanken wir einer schönen Idee des Petersburger Verlegers Nikolaj Bernard. Im November 1875 bat er Tschaikowsky, als Musikbeilagen für die zwölf Jahrgangsnummern 1876 seiner Zeitschrift „Nouvelliste“ jahreszeitlich passende Klavierstücke zu komponieren. Tschaikowsky, gelockt durch ein hohes Honorar und „sehr in Stimmung, mich jetzt mit Klavierstücken zu beschäftigen“ schrieb die zwölf Stücke von Ende 1875 bis Mai 1876. ht für nötig befunden. Bernard hatte nicht nur den Gesamttitel des Zyklus und die Titel der einzelnen Stücke vorgegeben, er stellte ihnen auch jeweils einige Zeilen aus Gedichten bekannter russischer Lyriker voran, die mehr oder weniger assoziativ mit den Titeln der Kompositionen harmonieren. Offenbar hat Bernard die Epigramme aber erst nach der Komposition der Stücke ausgewählt; man darf sie also nicht als „literarische Vorlage“ oder gar als „Programm“ der Kompositionen verstehen. Deren charakteristische „Bilder“, so der bekannte Musikforscher Boris Asaf'ev, stellten „eine Poetisierung der russischen Natur und des ländlichen Alltags“ dar, „betrachtet aus dem Blickwinkel des ,Lebens in den Herrenhäusern‘.“

Glinka – Es war die Nachtigall…
Die Entstehung der Klaviervariationen über Alabieffs Romanze „Die Nachtigall“ fällt in jene Zeit, als Glinka bei Siegfried Dehn in Berlin das Studium von Harmonielehre und Kontrapunkt aufnahm. Zuvor lediglich mit reicher Repertoirekenntnis ausgestattet, erhielt Glinka hier seinen ersten professionellen Kompositionsunterricht. Das Werk zeichnet sich durch einen gefälligen, brillanten Klaviersatz aus, der (wie stets bei Glinka) ein sicheres Gespür für die Möglichkeiten des Instruments bezeugt. Denn wie in seinen Kompositionen über Opernmelodien von Donizetti
und Bellini nimmt Glinka den Unterschied zwischen Gesang und Instrumentalwerk sehr ernst und entkleidet die Melodie der Romanze ihrer vokalen Eigentümlichkeiten, indem er bereits im Thema auf Alabieffs Auszierungen verzichtet und die Phrasierung deutlich pianistischer gestaltet.

Programm:

LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770–1827)
32 Variationen über ein eigenes Thema c-Moll, WoO 80
Klaviersonate Nr. 13 in Es-Dur, op. 27 Nr. 1 –
Sonata quasi una fantasia
1. Andante – Allegro molto
2. Adagio con espressione
3. Allegro vivace
{Pause}
Peter I. Tschaikowsky (1840–1893)
Aus: Die Jahreszeiten op. 37b
Juni – Barkarole
Komm rasch zum Ufer, die Wellen
Werden uns küssen den Fuß,
Sterne mit heimlichem Kummer
Strahlen hoch über uns.
A. Pleščeev
Juli – Schnitterlied
Schnitter, recke dich,
Greift, ihr Hände, aus,
Blas uns ins Gesicht,
Warmer Mittagswind!
A. Kol’cov
Oktober – Herbstlied
Es färbt und mausert sich unser kleiner Hag.
Blätter werden gelb, im Wind flattern sie herab.
Graf A. Tolstoj
November – Auf der Troika
Schau den Weg niemals an mit Trauer,
Lauf der Troika niemals hinterdrein.
Und bezwinge im Herzen auf Dauer
Deine traurige Unrast allein.
N. Nekrasov
MIKHAIL GLINKA (1804–1857)
Variationen über Alabieffs Romanze „Die Nachtigall“
ALEXANDER SKRJABIN (1872–1915)
Sonate Nr. 2, gis-Moll op. 19, „Sonate-Fantaisie“
1. Andante
2. Presto
1 Pause (ca. 25 Minuten) um 20.40 Uhr
Konzertende ca. 21.45 Uhr
Beethoven I – Variationen


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