Vortrag

Jan-Werner Müller - Gibt es eine populistische Erinnerungspolitik?


Simon Wiesenthal Lecture

Überall auf der Welt, so heißt es häufig, seien Populisten auf dem Vormarsch (und in manchen Ländern regieren sie schon). Eine erstaunlich wenig diskutierte Frage ist dabei: Gibt es eine spezifisch populistische Geschichts- und Erinnerungspolitik? Sind Populisten vielleicht immer darauf aus, eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu unterbinden, oder liegen die Dinge komplizierter? Der Vortrag entwickelt einen klar abgrenzbaren Begriff von Populismus; insbesondere soll gezeigt werden, dass Populisten immer eine Form von auf Ausschließung abzielender Identitätspolitik betreiben. Vor diesem theoretischen Hintergrund soll dann an verschiedenen historischen und aktuellen Beispielen gezeigt werden, welche Geschichtsbilder Populisten präsentieren und wie sie auch Gesetze und staatliche Ressourcen einsetzen, um diese möglichst verbindlich zu machen. Dieses Vorgehen wirft auch noch einmal die grundsätzliche Frage nach der Legitimität von strafrechtlichen „Erinnerungsgesetzen“ auf.

Jan-Werner Müller ist Professor für Politische Theorie in Princeton und derzeit Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Letzte Veröffentlichung: Was ist Populismus?, Suhrkamp, 2016.


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