Pop / Rock

Isolation Berlin


Die Trostlosigkeit hat sie zusammengeführt. Vier gebrochene Hauptstadtherzen, die Anfang 2016 mit einem tollen, allerorts abgefeierten Debüt um die Ecke kamen, wie es selbst für Berliner Verhältnisse nicht alle Tage vorkommt.

"Und aus den Wolken tropft die Zeit" heißt das Album, auf dem die Jungs die Schattenseiten des Hipstertums besingen, nicht ohne mit Referenzen an Spreeidole wie Element Of Crime oder Nina Hagen aufzuwarten. So könnte der Prototyp einer neuen Berliner Pop-Schule klingen.

Ohne Widerspruch und ohne wie eine Pastiche cooler Pop-Styles zu wirken, gleiten sie musikalisch von 60ies-Beat-Chansons über psychotischen Noiserock zurück in fast volksliedhafte Balladen. Im Text streifen sie die für Pop zwar gängigen Themen (Liebe, Exzess, Verlust, Wahn, Stadt...), schaffen dabei aber ebenfalls spielerisch den Dreh, so aufrichtig zu sein, dass sie nie ins Klischee oder Altbekannte abgleiten, und so humorvoll, dass sie nie naiv wirken.

Das Album lebt von seiner Klarheit und Transparenz im Klang. Es gibt keine "fetten" Gitarren, die alles zukleistern, der Bass ist soundmäßig an John Cales 70er-Alben geschult, so konkret und präzise sitzt er in der Mitte - nichts entspricht aktuellen Konventionen davon, wie Pop und Rock klingen und ist darin die denkbar beste Umsetzung des Programmes der Band: der Gleichzeitigkeit von Understatement und Großmäuligkeit, Ekstase und Entspanntheit, Verzweiflung und Witz, Wahn und lebensbejahenden Pop-Hits.

Das einheitliche Gesamtbild von Isolation Berlin setzt sich zusammen aus einer Vielzahl von dezidiert uneinheitlichen Einzelbildern, angefangen beim abstrakt-expressiven Drip-Painting des Albumcovers von Yannick Riemer bis zu ihren Portraits und Videos: Mal tollen sie herum wie die Beatles im Help!-Film, mal lösen sie sich in grau flimmernde Videokunst auf, covern mal dandyhaft Pulp, mal berückend gespenstisch Joy Division, trauen sich, absolut unvorteilhaft in bad-taste-Klamotte von einem grellbunten Single-Cover herunterzugrinsen, ohne um ihre Coolness zu fürchten. Wieso auch. Es wird eine Weile vergehen, bis wieder jemand so einen grandiosen Einstand feiert.

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Besetzung: Tobias Bamborschke: Gesang, Gitarre; Max Bauer: Gitarre, Orgel; David Specht: Bass; Simeon Köster: Drums
Aktuelle CD: "Und aus den Wolken tropft die Zeit" (2016), Staatsakt


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