Tanz · Theater

Iris Heitzinger & Françoise Boillat - wallflowering


Eine performative Suche nach der weiblichen Identität: Die österreichisch-schweizerische Koproduktion „wallflowering“ ist das erste gemeinsame Stück von Iris Heitzinger und Françoise Boillat, die seit 2010 bereits in diversen Projekten kollaborierten.

„wallflowering“ ist eine Erforschung der Selbstwahrnehmung im Alltäglichen, der Verwirklichung des eigenen Frauseins und der Schwierigkeit, der gesellschaftlichen Normen und den daraus resultierenden Ansprüchen entweder zu entsprechen oder zu entkommen. In einer Gesellschaft in der Äußerlichkeiten, Image, Auftreten und Wirkung auf das Umfeld eine unverhältnismäßig große Bedeutung zugeschrieben wird, sind wir immer wieder gezwungen, uns zu präsentieren, uns selbst darzustellen.

Der Begriff „wallflower“, wie auch die deutsche Übersetzung „Mauerblümchen“, bezieht sich fast ausschließlich auf eine Frau (nur selten auf einen Mann), die ihre sexuellen oder anderweitig positiven Vorzüge nicht richtig zum Ausdruck bringt, beziehungsweise diese vermeintlich gar nicht besitzt und deswegen auf das andere Geschlecht eher unauffällig wirkt. In „wallflowering“ spielen die beiden Darstellerinnen Iris Heitzinger und Françoise Boillat zwischen den Extremen des nicht wahrgenommenen Mauerblümchens und der alle Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Diva. Sie untersuchen auf spielerische Weise die manchmal lustvoll-glanzvolle und manchmal fast lächerliche Maskerade, die das Frausein vermeintlich mit sich bringt. Dabei verwandeln sie sich von einem Stereotyp in den nächsten, wollen dadurch Schicht für Schicht das Frausein an sich entkleiden und deren symbolische Darstellungen hinterfragen. Am Ende stellt sich die Frage, ob nicht das Mauerblümchensein eine gewisse Freiheit in sich birgt und den Darstellerinnen einen Raum öffnet, in dem sie einfach sein können.

"It is no longer the myth which needs to be unmasked (...), it is the sign itself that must be shaken; the problem is not to reveal the (latent) meaning of an utterance, of a trait, of a narrative, but to fissure the very representation of meaning, is not to change or purify the symbols, but to challenge the symbolic itself."

Roland Barthes, „Change the Object Itself“


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