Tanz

Iris Heitzinger & editta braun company - Paula


Paula ist Einsamkeit, Beschränkung, Unbehaustsein - und der Versuch der Erinnerung, der Besinnung auf das Ursprüngliche, Wesentliche. Ein Dasein, ganz auf sich gestellt, Mensch zwischen Metall, Leben zwischen Leblosem. Mal schmerzhaft begrenzt, mal selbstgenügsam vergnügt, dann wutentbrannt und plötzlich grenzenlos durch die Kraft der Evokation. Die Phantasie sprengt, was beschränkt auf der Suche nach dem, was wirklich zählt.

„Heimatlandl“ sang Iris Heitzinger in ihrer letzten Produktion und traf damit bei Editta Braun, Oberösterreicherin wie sie, einen zentralen Nerv. Sie wusste schon lange, dass sie mit der charismatischen jungen Tänzerin und Choreografin arbeiten wollte, deren Bewegungsqualitäten sie ebenso schätzt wie ihre Choreografien. Die überfällige Zusammenarbeit beglückt nun beide durch eine tiefe Komplizität, die sich aus der gemeinsamen Herkunft speist, aus ländlich-kleinstädtischer Sozialisation und verbindenden Erinnerungen. Das Arbeiten im Dialekt eröffnet zusätzliche Dimensionen von Einverständnis.

Als Inspirationsquelle dienten zwei Romane: In Die Wand erzählt die gleichfalls aus Oberösterreich stammende Marlen Haushofer von einer Frau, die in der Einsamkeit der Berge, mitten unter Tieren, plötzlich ganz auf sich gestellt ist, abgeschnitten vom Rest der Welt – oder was davon noch übrig ist. An Sten Nadolnys Ein Gott der Frechheit faszinierte Editta Braun die Rolle des Metalls als Inbegriff der modernen Welt, Symbol der Inbesitznahme der Natur durch den Menschen. Von hier ausgehend, schaffen Editta Braun und Iris Heitzinger im von Arturas Valudskis geschaffenen Spiel-Raum, getragen von Thierry Zaboitzeffs Kompositionen, gemeinsam eine kleine Welt, in der erstaunlich viel Platz ist für Menschliches.

Iris Heitzinger absolviert ihr Studium Zeitgenössischer Bühnentanz an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz/AT und wird daraufhin Mitglied der postgradualen Kompanie x.IDA/Linz, zu der sie später als choreografische Assistentin zurückkehrt. Für das Studienjahr 2002/2003 wird sie mit dem Auslandstipendium für Tänzer vom Bundesministerium für Kunst und Kultur Österreich unterstützt und kann so ihre Studien und ihre Ausbildung in England, Holland, Belgien und Finnland fortsetzen. Seitdem arbeitet Iris freiberuflich als Tänzerin und Performancekünstlerin und kollaborierte unter anderen mit Künstlern wie Jeremy Wade (USA), Ted Stoffer (BE), Guillermo Weickert (ES), Vincent Dance Theatre (GB), H2Dance (SE, NO), Cie. Willi Dorner (AT), Cie. Laroque / Helene Weinzierl (AT), Cia. Lanònima Imperial (ES) oder Cia. Senza Tempo (ES). Iris unterrichtet zeitgenössischen Tanz, Improvisation und Partnering in Festivals und Ausbildungsstätten in Österreich, Polen, Kanada, England, Spanien und Japan.

Anfang 2007 ruft sie Miss Luiss Twisted ins Leben, welche ihr als Plattform für ihre eigene künstlerische Arbeit dient. Sie kreiert das Duo "AnDando con zapatos" 2007, das Solo "Lo que es/Was es ist" 2008, "Kurze Abhandlung über das Nichts" 2011 und die Performanceintervention "Wunschkind" für das Museum CaixaForum/Barcelona im Rahmen der Ausstellung "Qué desear" 2013.

Ende 2009 wird das Guinea Pig Collective geboren, welches die Basis für kreative Prozesse und den Austausch von Inspiration der 3 Künstler Dietmar Suoch (Medienkunst), Christine Hinterkörner (experimentelle Musik) und Iris Heitzinger (PerformanceTanzKunst) bildet. Die interaktive Tanzperformance und Installation “Blackbox”, kommt im März 2010 zur Premiere mit Unterstützung des Landes Salzburg (Podium 2009) und des Vereins tanzhouse sowie in Koproduktion mit der ARGEkultur in Österreich und La Caldera/Festival Grec in Spanien. Im Jahr 2010/11 beginnt Iris die Zusammenarbeit mit der Choreografin und Tänzerin Natalia Jiménez. Zusammen kreieren sie das Stück "LENTES", welches in Koproduktion mit dem Festival NEO/Mercat de les Flors Barcelona entsteht. Eine Zusammenarbeit mit zwei Wissenschaftlern aus dem Bereich der Physik und Mathematik zum Thema menschliche Wahrnehmung. Im Februar 2013 entsteht das Stück „Trinity“ in Kollaboration mit dem Medienkünstler Oscar Sol, eine interaktive, audiovisuelle Tanzperformance in Koproduktion mit dem Festival IDN/Mercat de les Flors, Barcelona.

Derzeit lebt und arbeitet Iris zwischen Österreich und Spanien, sowohl als Interpretin mit anderen Künstlern als auch choreografisch tätig an einem neuen eigenen Stück "Freier Fall" in Zusammenarbeit mit dem Zirkuskünstler Joan Català.

Choreografie: Iris Heitzinger

Komposition: Thierry Zaboitzeff, Bühne: Arturas Valudskis, Lichtdesign: Thomas Hinterberger, Dramaturgie: Gerda Poschmann-Reichenau, Regie: Editta Braun. Inspirationsquellen: Marlene Haushofer: Die Wand (Hamburg 1968), Sten Nadolny: Ein Gott der Frechheit (München 1994)


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