Kunstausstellung

Iris Andraschek - Ordinaire Blau


Galerie Raum mit Licht

1070 Wien - Neubau, Kaiserstraße 32

Do., 27.10.2016 - Sa., 31.12.2016

Mo: Geschlossen
Di: 12:00 - 18:00 Uhr
Mi: 12:00 - 18:00 Uhr
Do: 12:00 - 18:00 Uhr
Fr: 12:00 - 18:00 Uhr
Sa: 11:00 - 14:00 Uhr
So: Geschlossen

Fragen nach interkulturellen Grenzen, der gegenseitigen Beeinflussung von Kulturen und der Zuschreibung wie Aneignung von Traditionen stehen im Zentrum der jüngeren künstlerischen Auseinandersetzung von Iris Andraschek. Ihre neuen Werkserien sind erstmals in der Galerie Raum mit Licht im Zuge des Festivals Eyes on – Monat der Fotografie ab 25. Oktober zu sehen.

IRIS ANDRASCHEK arbeitet mit den Medien Fotografie und Zeichnung. Sie realisierte zahlreiche ortsbezogene Projekte und Installationen im öffentlichen Raum. In ihren Fotoserien agiert sie an der Grenze von Privatheit und Öffentlichkeit, indem sie gekonnt vorgefundene Situationen mit konstruierten Bildkonzeptionen verbindet. In den grafischen Arbeiten isoliert Andraschek fotografische Bilder aus dem jeweiligen Kontext und verschränkt einzelne fragmentierte Elemente, in veränderten Proportionen, mit historischem Material, Ornamenten, Emblemen oder Text, den sie oft aus Gesprächen und Interviews extrahiert. Beide Medien - Fotografie und Zeichnung - spielen seit Anbeginn ihres künstlerischen Schaffens eine wichtige Rolle. Diese Dichotomie der Medien setzt die Künstlerin bewusst ein und lotet im Dialog deren Grenzen immer wieder neu aus. Dabei werden die Beziehung zum Selbst wie zur Umwelt, unsere Ohnmacht und Macht, der konstruktive wie destruktive „Gemeinschaftsgeist“ hinsichtlich eines ökonomischen, sozialen und kulturellen Wandels zum Motiv.

Ausgangspunkt der neuen Arbeiten bilden aktuelle Diskurse über das Ornament als Medium des interkulturellen Austauschs, dem auch der Ausstellungstitel „Ordinaire Blau“ entnommen ist. „Ordiniare Blau“ bezeichnete Farbe und Dekor in der Porzellanmanufaktur. Heute auch als „Zwiebelmuster“ bekannt lässt sich dessen Entwicklung bis in die frühe Ming-Zeit des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. Ursprünglich stellte das Dekor motivisch Grantäpfel und Pfirsiche – Symbole der Fruchtbarkeit und Langlebigkeit – dar, deren Gestaltung in der deutschen Porzellantradition zu Zwiebeln transformiert wurde.

Die über tausend Jahre alte Tradition der syrischen Seifenproduktion in Aleppo bildet einen weiteren thematischen Schwerpunkt der neuen Arbeiten. Die „Alepposeife“, im Arabischen „Sapun Ghar“, wird aus rein biologischen Bestandteilen von Oliven- und Lorbeeröl, in oft seit Generationen geführten Seifensiedereien, hergestellt. Die Rezepturen sind meist traditionell überliefert und die Fertigung erfolgt nach uraltem handwerklichen Herstellungsverfahren. Sie wird weltweit exportiert. Durch den Bürgerkrieg ist heute ein Großteil der einst sechzig Seifenmanufakturen zerstört. Ein Teil der Seifenproduzenten siedelte sich an der syrischen Grenze zur Türkei in leerstehenden Fabriken an. Hier herrschen klimatische Voraussetzungen und das Vorkommen von Lorbeer und Oliven um das Weiterführen der Seifenerzeugung zu ermöglichen. Gleichzeitig bleibt dank dieser Menschen die Tradition eines über Jahrhunderte alten Kulturguts weiter bestehen. Fotografien, Videos und Interviews mit den Produzentenfamilien, die während Iris Andrascheks Recherche im Grenzgebiet entstanden sind, bilden die Grundlage der neuen Werkserie.

Verschiebungen, Gratwanderungen und Grenzen, in mentaler, kultureller, sozialer oder politischer Hinsicht sind wiederkehrende Aspekte in Iris Andrascheks künstlerischer Methode, die sich entgegen aller Grenzen, stets eingedenk dessen, dass „alles auch anders sein könnte“ widmet.

IRIS ANDRASCHEK (*1963 in Horn, AT) Rituale unterschiedlicher Communities, alternative Lebensentwürfe, Natur, der ländliche Raum und seine Gesellschaft und Ordnungssysteme sind wiederkehrende Themen in den künstlerischen Arbeiten Iris Andrascheks. Die Übergänge von Privatheit und Öffentlichkeit, Alltag und Inszenierung verhandelt sie ebenso wie die Grenzen zwischen Realität und Fiktion in medial konstruierten Bildern. Für die Präsentation ihrer Zeichnungen und Fotografien in kontext- und ortsspezifischen Installationen, Ausstellungen oder im öffentlichen Raum entwickelt Iris Andraschek spezielle Displays und Möbel.