Theater

Iphigenie auf Tauris


Iphigenie auf Tauris geteilt durch zwei: Franziska Walser und Edgar Selge erkunden gemeinsam Goethes Version des antiken Mythos. Sie schlüpft in die Rolle der Iphigenie, er spielt den Anderen – mal Iphigenies Bruder Orest, mal dessen Freund Pylades, den König der Taurer, mal Thoas oder dessen Vertrauten Arkas.

Die Annäherung an das Stück, an die Figuren und die Sprache ist ein Prozess, der sich vor den Augen des Publikums vollzieht. Im Zentrum steht der Dialog, die radikale Auseinandersetzung, aus der Iphigenie ihr Gegenüber nicht entlässt. In der Konfrontation formuliert sie ihren Anspruch auf Selbstbestimmung und Akzeptanz – ein Anspruch, der das männliche Selbstverständnis in Frage stellt und ein Umdenken einfordert.

Die Inszenierung, die bei den Ruhrfestspielen ihre Premiere feierte, entstand unter – für das Stadttheater – ungewöhnlichen Produktionsbedingungen: als Arbeit im Kollektiv. Die Schauspieler Edgar Selge und Franziska Walser, die Bühnen- und Kostümbildner Peter Baur und Falko Herold und die Dramaturgin Sibylle Dudek stellten sich gemeinsam der Aufgabe, den Abend als Gruppenarbeit und nicht in der Regie eines Einzelnen zu realisieren. Die Inhalte des Stücks spiegeln sich im Probenprozess wider: die unbedingte Suche nach Auseinandersetzung und Dialog – mit allen Herausforderungen, die damit verbunden sind.

Franziska Walser und Edgar Selge spielten an den wichtigsten Bühnen im deutschsprachigen Raum. In TV und Kino war Franziska Walser u.a. in Inside WikiLeaks und Ein halbes Leben zu sehen, die wohl bekannteste der vielen Rollen von Edgar Selge ist jene des einarmigen Kommissars Tauber in der Krimiserie Polizeiruf 110.

Was Walser, Selge und ihre Mitstreiter hier entwickelt haben, hat Zukunft. Theater, das den Laborgedanken ernst nimmt und dennoch Zauber entfacht, mit einer überzeugenden Dramaturgie aus Verdichtung und Improvisation. Stefan Keim, Deutschlandfunk


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