Literatur

Im Gespräch mit Anna Badora


Moderation: Maria Rauch-Kallat

Eigentlich hat alles mit dem Moped ihres Bruders bzw. einem geplatzten Reifen begonnen, denn dieser war der Grund, warum die junge Anna aus Tschenstochau nicht Leichtathletin wurde, sondern sich in die Kunst verliebte. Da Geld knapp war, beteiligte sie sich an einem Rezitationswettbewerb, um 1000 Zloty für einen neuen Reifen zu gewinnen, was ihr auch gelang. Der Weg in Richtung Theater begann…. –

Nach dem Abitur absolvierte Anna Badora eine Schauspielausbildung an der Staatlichen Hochschule für darstellende Künste in Krakau, anschließend am Max-Reinhardt-Seminar in Wien ein Regiestudium , das sie 1979, als erste Frau, die diesen Studiengang dort je belegt hatte, mit Auszeichnung abschloss.
Anna arbeitete sich im internationalen Theaterbetrieb systematisch voran und sammelte wertvolle Erfahrungen z. B. bei Giorgio Strehler am Piccolo Teatro in Mailand oder als As-sistentin bei Peter Zadek und Klaus Michael Grüber in Berlin.
Nach „Lehr- und Wanderjahren“ in Köln, Basel, Essen und Ulm war Badora von 1991 bis 1996 als Schauspieldirektorin am Staatstheater Mainz tätig, danach als Generalintendantin am Düsseldorfer Schauspielhaus.
2006 wurde Anna Badora geschäftsführende Intendantin des Schauspielhauses Graz, das sie als erstes und bislang einziges österreichisches Theater in die Union des Théâtres de l'Europe führte. In Graz gelang es ihr überdies, mit dem von ihr initiierten österreichischen Pilotpro-jekt Schauspiel aktiv! innerhalb von 2 Spielzeiten mehr als 25.000 Jugendliche (und Erwach-sene) im Rahmen von Workshops, Patenschulprojekten, schulinternen Lehrerfortbildungen und freien Theaterwerkstätten mit dem Theater in Verbindung zu bringen.

Ab der Spielzeit 2015/16 ist Badora künstlerische Direktorin des Volkstheater Wien, - ange-sichts der dringend notwendigen Umorganisierung, Umbauplanung und Neustrukturierung des Theaters fürwahr eine Sisyphusarbeit. Trotzdem hat sie sozusagen einen „Blitzstart“ hin-gelegt und in den ersten 100 Tagen ihres Direktorates acht Produktionen am Volkstheater, fünf im Volx/Margareten, zwei auf Bezirkstournee, ein Festival und dazu noch Symposien realisiert, nicht immer ohne Kritik und Widerstand.

Dazu, zu ihrer Sicht auf ein „Volkstheater“ und zur gesellschaftspolitischen Relevanz von Kunst im allgemeinen und des Theaters im besonderen wird Anna Badora Stellung nehmen, - wir freuen uns auf die Begegnung mit einer ebenso zielstrebigen wie risikofreudigen Frau!


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