Theater

Im Ausnahmezustand


Eine Frau, ein Mann, ein Mädchen. Eine Familie, die es geschafft hat – sie wohnen in einer sicheren Siedlung, einer “Gated Community”. Hier gibt es gute Schulen, Ruhe, Parks, kurze Wege zur Arbeit, Federball und Gartenfeste; kurzum: „Hier gibt es alles, alles, was man für ein schönes Leben braucht.“ Doch schnell wird klar, dass dieses Leben wenig mit dem versprochenen Himmel auf Erden zu tun hat. Die Bedrohung durch die unsichere Außenwelt, das Bemühen die Erwartungen einer nicht näher bestimmten, höheren Macht zu genügen und damit verbunden die Furcht vor dem sozialen Abstieg und dem Rauswurf aus dem geschützen Wohnkomplex haben sich tief in die Ehe und den Familienalltag eingegraben.

Falk Richters Im Ausnahmezustand ist ein Stück, das die Frage nach dem Sinn des Lebens ganz radikal stellt: Reicht es für ein erfülltes Leben, zu funktionieren und nicht aufzufallen, um den errungenen Wohlstand zu behalten? Was wird aus denen, die außerhalb der Gesellschaft stehen? Der Autor verdichtet in Im Ausnahmezustand die Verunsicherung einer abstiegsbedrohten Familie zu einem dystopischen Krimi. Er zeigt uns eine künstlich stabile Gesellschaft voller zwanghaft glücklicher Bürger, die ihre individuellen Gefühle und Interessen für das Gemeinwohl geopfert haben. Doch die Idylle trügt und zunehmend weitet sich die Angst vor einer äußeren und inneren Bedrohung aus; eine Angst, die längst das vermeintlich geschützte Leben der Bewohner dominiert. Die enigmatische Parabel pendelt auf bedrückende Weise zwischen Wohlstands- neurosen und Weltuntergangsstimmung und spürt den Schattenseiten der bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft nach.

Ein kontroversielles Stück Theater, dass sich mit den Themen Sicherheit, Überwachung und Ausgrenzung auf eine formal anspruchsvolle Art und Weise auseinandersetzt: jeder Zuschauer erhält einen Funkkopfhörer, welcher die Szenerie akustisch ganz nah an ihn heranrücken lässt. Intimität und Beklemmung der Situation auf der Bühne werden somit vom Zuschauer selbst “überwacht”.

Mit: Elke Hartmann, Thomas Gassner und Julia Mauracher

Regie: Julia Kronenberg

Bühne: Ralph Reisinger

Kostüme: Andrea Spiegel

Dramaturgie: Uschi Oberleiter

Assistenz: Jasmin Marte


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