Klassik

Igudesman & Joo - And now Mozart


Anlässlich 20 Jahre RadioKulturhaus gastieren die virtuosen Comedy-Stars Igudesman & Joo im Großen Sendesaal.

Seit 13 Jahren gehen Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo mit ihren virtuosen Comedy-Shows auf liebevolle Konfrontation mit der herrschenden klassischen Aufführungspraxis. Zum 20. Geburtstag des RadioKulturhauses gastiert das Duo mit seinem Programm "And Now Mozart" im Großen Sendesaal. Warum Musik nicht Tennis ist und was der Rosarote Panther mit Bach zu tun hat, erzählt Hyung-ki Joo im Interview.Im Sequel zu ihrer Show "A Little Nightmare Music" bieten Pianist Hyung-ki Joo und Geiger Aleksey Igudesman umso mehr musikalische Verrücktheit, trotzen der Schwerkraft und zeigen, dass der Weg von klassischer Musik zu Country und Western, Heavy Metal und Glam Rock kürzer ist, als gemeinhin angenommen.

Was darf sich das Publikum von der Ansage "And Now Mozart" erwarten?
In diesem Sequel zur Show "A Little Nightmare Music" wollten wir unsere Grenzen sprengen, weiter gehen – in unserer Sprache, unserem Stil. "And Now Mozart" beinhaltet gemäß der Catchphrase aus unserem ersten Programm, nach der immer etwas völlig anderes kommt, kaum Mozart. Die Show ist voll mit noch mehr musikalischer Verrücktheit, musikalischen Stilen – unsere Komposition "Do You Believe in Gravity" beispielsweise enthält Country und Western, auch Heavy Metal und ein Glam-Rock-Tribute. Darin zerlegen wir den Flügel, der schließlich auf magische Weise ohne Stütze offen bleibt und auf zwei Beinen steht. Wir trotzen der Schwerkraft. Es gibt auch Rap in "Mozart Will Survive", der Mozart-Adaption unseres großen Hits auf Basis des Gloria-Gaynor-Discohits, auch Breakdance. Die Show ist gefährlicher als die erste.

Spielt der Titel "And Now Mozart" auch auf Mozarts Relevanz im Heute an?
Wir haben nicht wirklich eine Mission, aber wenn wir eine hätten, dann würden wir etwas Archaisches, das Hunderte Jahre alt ist, heute relevant machen wollen. Viele Leute glauben, was wir tun sei neu und innovativ, dabei ist es retro! Diese elitäre, steife und langweilige Atmosphäre des heutigen klassischen Konzertbetriebs, die vorschreibt, wann man husten und klatschen darf, hat mit der "authentischen" Tradition von Mozart, Beethoven und Liszt nichts zu tun. Es gibt einen Brief von Mozart nach seinem ersten Klavierkonzert: Er war so stolz, weil das Publikum gleich nach den ersten Takten so ausgeflippt ist, dass sie noch einmal anfangen mussten. Wenn heute ein neues Stück gespielt wird, wäre es ein Skandal, da nach zehn Sekunden hineinzuklatschen – Pssssst! Wer flippt denn heutzutage im Konzertsaal aus vor Begeisterung? Niemand flippt aus. Ich will ausflippen, hingerissen werden – jedes Mal, wenn ich in ein Konzert gehe.

Welchen Stellenwert hat Spontanität in Ihrer Arbeit?
Es gibt viel Spontanität, wir arbeiten aber im Vorfeld alles möglichst gut durch, um uns auf der Bühne frei fühlen zu können. Eines unserer Mantras, nach denen wir leben, ist die "Magie der Fehler". In der Kunst, vor allem in der darstellenden, geht es nicht um schale Perfektion, sondern darum, etwas im Moment zu erschaffen. Und auch wenn du ein bekanntes Stück spielst, musst du es spielen, als wäre es ganz frisch. In diesem Sinne muss es auch spontan sein. Wenn du dabei offen für Fehler bist, öffnet das 99 von 100 Mal die Tür zu etwas viel Besserem. Wenn im Tennis der Ball draußen ist, verlierst du einen Punkt. Aber nicht in der Musik, und schon gar nicht bei dem, was wir tun. Daher sagen wir immer, dass unsere Show ein einziger riesiger Fehler ist: Manche Sketches führen wir zigmal erfolgreich auf gleiche Weise auf, bis zu der Vorstellung, in der einer von uns einen Fehler macht: Und die Leute lachen mehr als vorher. Manchmal ist es aber auch nur ein Schreib- oder Tippfehler, der dich erkennen lässt: So ist es lustiger, besser!


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