Vortrag

Die marktkonforme Korruption des Denkens


Eine gemeinsame Wurzel von Fremdenfeindlichkeit und Verleugnung der Klimakatastrophe.

Vortrag von Univ.-Doz. Dr. Josef Berghold im Rahmen der Vorlesung des Ustinov Gastprofessors
am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien (Prof. Dr. Klaus Ottomeyer)
In unserem Zeitalter liefert das Entgleisen des Erdklimas einen immer eindrücklicheren Hintergrund für die globalen Fluchtbewegungen. Dabei wird auch ein psychologisch tief wurzelndes Zusammenwirken deutlicher – zwischen dem Rassismus, dessen Fieberkurven der Menschenverachtung angesichts von Flüchtlingsströmen in die Höhe schnellen, und der hartnäckigen mehrheitlichen Abneigung, die auf uns zueilende Klimakatastrophe ernst zu nehmen.

Beide Einstellungen werden von einer Korruption den Denkens angetrieben, die man auch in der Psychologie sexueller Perversionen findet: Realitäten, die eigenen zwanghaften Vorstellungen widersprechen, können zwar oft zugelassen werden – verlieren aber mithilfe virtuoser Taschenspielertricks eines "inneren Zuhälters" ihre emotionale Bedeutung. Vor allem in der verwahrlosenden Kultur unseres spekulativen Casino-Kapitalismus findet dieser "innere Zuhälter" reichlich äußere Bestätigung und
Einbettung.
Josef Berghold, PD Dr., ist ein Sozialpsychologe mit psychoanalytischer und gesellschaftskritischer Orientierung. Er unterrichtete als Dozent und Professor an den Universitäten Klagenfurt, Innsbruck und Bozen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind:
Feindbilder/Vorurteile, interkulturelle Entwicklung, globale Gesellschaft, ökologische Nachhaltigkeit, Wurzeln von Solidarität und Sozialdarwinismus, Deutungen des Unbewussten auf öffentlicher Ebene. Buchpublikationen: u.a. Feindbilder und Verständigung (3. Aufl. 2007), Vicini lontani (2003).


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