Theater

Ich rufe meine Brüder


Die Explosion einer Autobombe mitten in Stockholm. Mit diesem Knall ändert sich alles für Amor. Amor ist ein junger muslimischer Mann, einer von vielen, eigentlich unauffällig.

Ist Amor ein Terrorist? Nein. Amor ist unschuldig. Netter Cousin und fürsorglicher Enkel, mehr oder weniger strebsamer Student und bester Kumpel. Ein ganz normaler Schwede eben. Wirklich? Nach 24 Stunden in Amors Kopf könnten uns Zweifel daran kommen – so wie ihm selbst. Nachdem in Stockholm eine Autobombe explodiert ist, fragmentiert sich Amors Bewusstsein zunehmend ins Diffuse, Unsichere. Er bewegt sich maximal unauffällig und extra alltäglich durch die Stadt und fühlt sich gerade deshalb immer exponierter. Denn: Wie verhält man sich überhaupt so ganz „normal“? Wie sieht man aus, wenn man nichts getan hat? Wie wird man nicht paranoid, wenn man eigentlich allen Grund dazu hätte? Amor verfällt in obsessive Selbstreflektion, beginnt, sich selber ganz genau zu beobachten. In seiner Verzweiflung spricht er mit seiner Cousine in Tunesien, seiner Jugendliebe Valeria und sogar mit der Großmutter im Jenseits. Und immer wieder ruft er seine „Brüder“.

Ich rufe meine Brüder, das internationale Erfolgsstück des schwedischen Autors Jonas Hassen Khemiri, zeigt, wie brüchig die Grenze zwischen Täter und Opfer, Phantasie und Wirklichkeit ist und wie leicht sich Blicke manipulieren lassen in einer Gesellschaft, die zwanghaft alles immerzu beobachten muss. Was kann unser Blick auf andere erzeugen? Anne Sokolowski wird diesen verstörenden, hochaktuellen Text im Vestibül inszenieren.


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