Theater

Ich gehe


„Zeuge sein, nicht Opfer.“ (Christa Melchinger) Die Textcollage der genreübergreifenden Künstlerin Veronika Barnaš aus dem Buch Die Galizianerin, das die österreichische Autorin Brigitte Schwaiger gemeinsam mit Eva Deutsch schrieb, und Schwaigers letztem Roman Fallen lassen verwebt die Schicksale zweier Frauen, die um ihr Leben kämpfen.

Beide Frauen stehen exemplarisch für die Geschichte zweier aufeinanderfolgender Generationen im 20. Jahrhundert. Einerseits Eva Deutsch, die direkt vom Nationalsozialismus und der Judenverfolgung Betroffene, andererseits die Schriftstellerin Brigitte Schwaiger, deren Ringen mit und um ihre eigene Existenz nicht zuletzt auf ihre Sozialisation in einer von Verdrängung geprägten Familie und Gesellschaft in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen ist.

Erzählte in Die Galizianerin (1982) die damals 60jährige polnische Jüdin Eva Deutsch (geborene Fränkel) in ihrer durch das Jiddische und Österreichische geprägten Sprache der Autorin Brigitte Schwaiger nach und nach ihre (Über-)Lebensgeschichte, ist Fallen lassen (2006) nicht nur ein „Buch über Psychiatrie“, wie Brigitte Schwaiger es selbst nannte, sondern vor allem das unverstellt autobiografische und schonungslos offene Resümee einer seit dreißig Jahren andauernden psychischen Erkrankung. Mehr als um ihren persönlichen Zustand, geht es um die soziale Dimension einer Krankheit, die zum Spiegel unserer Gesellschaft wird. Das ambivalente Lebensgefühl, das beide Frauen begleitete und über welches sie mitunter durchaus humorvoll und lakonisch berichteten, lag vor allem zwischen dem Leben-Wollen versus Dürfen.

Die Schauspielerin Inge Maux verkörpert Brigitte Schwaiger und Eva Deutsch, vereint die zwei Frauenfiguren in sich. Sie erschreiben sich ihr Leben, markieren und „bauen“ sich erzählend, schreibend, suchend den Raum ihrer Existenz durch ihre Sprache, bis sie sich selbst darin verlieren.

Uraufführung

Textcollage, Raum, Regie: Veronika Barnaš
Dramaturgie: Doris Happl


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