Klassik

Hover Kammerchor & Ustad Naseeruddin Saami - Alle Worte enden hier


Den Zweifeln müssen sich die Gläubigen von Generation zu Generation in jeder Religion aufs Neue stellen. Dementsprechend führt für Kirchenmusiker in ihren Zugängen und Inspirationen kein Weg am Zweifel vorbei, stellt Sona Hovhannisyan vom armenischen Hover Kammerchor in neuen Kompositionen für die Armenische Apostolische Kirche fest.

Alle Zeremonien, von der Göttlichen Liturgie bis zu den neun Stundengebeten, sind von Kirchenliedern begleitet, die mehr als ein Jahrtausend lang bewahrt wurden. Der Priester und Musiker Komitas Vardapet überführte sie schließlich auf der Grundlage des Gesangs alter Geistlicher in eine reformierte musikalische Liturgie, bevor auch er von den schrecklichen Ereignissen des 1915 verordneten Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich erfasst wurde. Komitas hat zwar überlebt, war aber für den Rest seines Lebens traumatisiert.

Von der Erlösung durch Liebe kündet das „Kyrie eleison“ des jungen armenischen Komponisten Artur Avanesov, der einen Ausweg aus Leiden in Töne fasste. Der Hover Kammerchor spannt einen Bogen von Komitas’ erhaltenen Gesängen der Göttlichen Liturgie bis zu zeitgenössischen Vertonungen von Avanesov und seinem Landsmann Vache Sharafyan sowie geistlichen
Werken des Estländers Arvo Pärt und des Polen Krzysztof Penderecki.

Die Hoffnung, den Urklang zu finden, liegt in 49 Mikrotönen innerhalb der Oktave, aus denen der einzigartige Gesang von Ustad NaseerudDin Saami aus Pakistan hervorgeht. Er pflegt als heute einziger Repräsentant die nordindische „Qawwal Bachcha/Dilli Gharana“-Schule des Khyal-Gesangsstils. Der Hauptton Sa wird zur Heimat aller anderen Töne. Der „Sudh Bani“Gesang begründet die vollkommene Reinheit des Ausdrucks. Im Khyal verbanden sich indische Musikstile unter dem zunehmenden muslimischen Einfluss mit persischen, arabischen und türkischen Melodiesystemen zu einer ornamentreichen und klangfarbenprächtigen Kontemplation. In dieser Musik „enden alle Worte und Erklärungen. Sie sind überflüssig geworden. Denn nun ist Liebe ihre ureigene Botschaft.“ (Verse des indischen Dichters Jigar Muradabadi)


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