Alte Musik · Klassik

Hopkinson Smith, Theorbe


e Idee, Solo-Werke von Johann Sebastian Bach für Laute oder Theorbe zu bearbeiten, ist zunächst alles andere als abwegig. Schließlich hat Bach selbst das auch getan: im Falle der dritten Geigen-Partita und der fünften Cello-Suite. Und er hatte offenbar auch nichts dagegen, dass sein guter Freund Silvius Leopold Weiss ganze Violinkonzerte auf der Laute spielte. Hopkinson Smiths Bearbeitungen dagegen eröffnen einen sehr persönlichen Blick auf diese Musik.

Er geht einen ziemlich kompromisslosen Weg und schneidet die Suiten ganz auf sein Instrument zu. Die harmonischen Verläufe und Akkorde, die Bach im Original für Cello nur andeuten konnte, füllt er an vielen Stellen auf und bringt als versierter Generalbass-Spieler auch eigene Ideen ein. Er transponiert, drosselt vielfach die Tempi und zeigt keine Scheu, Hörgewohnheiten über Bord zu werfen. «Bach gezupft und nicht gestrichen!», lautet das Gebot der Stunde.

Programm
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007 für Violoncello solo (Bearbeitung für Theorbe in C-Dur: Hopkinson Smith) (1720 ca.)
Suite Nr. 2 d-moll BWV 1008 für Violoncello solo (Bearbeitung für Theorbe in g-moll: Hopkinson Smith) (1720 ca.)

Suite Nr. 3 C-Dur BWV 1009 für Violoncello solo (Bearbeitung für Theorbe in F-Dur: Hopkinson Smith) (1720 ca.)

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


Vergangene Termine