Tanz · Theater

Hofesh Shechter - Grand Finale


Die Welt von heute als sinkendes Schiff und eine Musikkapelle, die bis zum Untergang weiterspielt: Mit seiner neuen Arbeit „Grand Finale“ wuchtet Starchoreograf Hofesh Shechter die bildgewaltige dystopische Vision einer Menschheit vor dem Abgrund auf die Bühne.

Endzeitstimmung kommt auf, wenn die zehn Tänzerinnen und Tänzer gegen einen heftigen Sog von Klang und Dunkelheit ankämpfen. Für den Israeli Shechter, der seine Compagnie 2008 in London gegründet hat und bereits als Artist in Residence zu Gast im Festspielhaus St. Pölten war, ist Tanz ein Ausdrucksmittel: „In ,Grand Finale‘ wollte ich über die Gefühle reflektieren, die das Leben in der heutigen Welt in mir auslöst“, sagt er.

Im Bann der Katastrophe lässt Hofesh Shechter seine Figuren auf der von Tom Scutt mit Schattenelementen eingerichteten
Bühne fieberhaft tanzend gegen Leid und Unsicherheit ankämpfen. Dazu entwirft der von der britischen Presse als „biggest beast in British choreography“ titulierte Künstler eine gewaltige, ekstatische Klangkulisse, in der sechs klassische Live-Musikerinnen und -Musiker mit Motiven von Tschaikowski auf seine eigenen rhythmischen Kompositionen reagieren. Bei aller Düsternis verliert der Choreograf nie den Humor. Volkstanz trifft bei ihm auf Expressionismus, sanfte Walzermusik von Franz Lehár auf eine Perkussion-Tonspur. Zwischen Komik und Düsternis, zwischen Chaos und Harmonie kreiert Hofesh Shechter eine kraftvolle, mutige Version des „grand finale“ im klassischen Ballett: „Eine berührende, berauschende Arbeit voller Emotion.“ (Mélanie Carpentier, Le Devoir)






Hofesh Shechter, geboren in Jerusalem, verortet in der weltberühmten israelischen Batsheva Dance Company, zeigt in seiner neuen Arbeit "Grande Finale" bildgewaltige Untergangsszenarien. Ob es sich dabei um den Niedergang des einzelnen Lebens oder der gesamten Menschheit handelt, überlässt er dem Zuschauer.
Die Tänzer tanzen gegen die Widrigkeiten des Daseins in einer düsteren Welt an und trösten sich mit Walzerseligkeit. Musikalisch kämpft ein Kammerorchester mit Livemusik gegen Technobeats aus dem Lautsprecher an. Shechters "Grande Finale" ist ein Totentanz mir allen seinen Schrecken, ein Abgesang auf das Scheitern der Menschheit. Bühnenbildner Tom Scutt erweitert die Welt der Tänzer mir fahrbaren riesigen Wänden, die einerseits Bedrohung, andererseitz Schutz vor der Apokalypse bieten. Sonnengrüße, die im Yoga Erdung und Zuversicht ausdrücken sollen, setzt Shechter in eine Welt, die aus Trümmern zu bestehen scheint. Walzertanzende Paare, die mehr tot als lebendig anmuten, vermitteln auch hier die Sehnsucht des Menschen, auch im Untergang Zuversicht und Trost zu finden.

Die Zeitschrift "Tanz" kürte "Grande Finale" zum Tanzstück des Jahres 2018. Mit 20minütigen Standing Ovations bedankte sich das begeisterte Puplikum bei der Companie.
1.2.2019


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