Kunstausstellung

Höhenrausch 2016 - Andere Engel


In 38 Kunstprojekten wird nicht nur das Engel-Thema auf überraschende und hintergründige Weise beleuchtet, sondern es zeigt sich einmal mehr, wie groß das Potential der Gegenwartskunst ist, ungewöhnliche, öffentliche und scheinbar unattraktive Orte außerhalb des Museums zu bespielen.

Der heurige Höhenrausch ist der künstlerisch intensivste seit 2009. Mit einer Beteiligung von 60 Künstlern und Künstlerinnen ist der Höhenrausch auch ein großes Festival für internationale Gegenwartskunst (die Außenstelle in der Energie AG ist dabei eingerechnet). In 38 Kunstprojekten wird nicht nur das Engel-Thema auf überraschende und hintergründige Weise beleuchtet, sondern es zeigt sich einmal mehr, wie groß das Potential der Gegenwartskunst ist, ungewöhnliche, öffentliche und scheinbar unattraktive Orte außerhalb des Museums zu bespielen. Charakteristisch für das OK ist dabei die ausgewogene Mischung aus künstlerischen Neuproduktionen, die ganz spezifisch auf Ort oder Raum reagieren und thematisch interessanten Kunstwerken, die dazu gesetzt werden.

Für den „Andere Engel“- Höhenrausch wurde ein umfangreiches Netz aus Kooperationen geknüpft, die von der Diözese Linz bis hin zum ORF Musikprotokoll im Steirischen Herbst reichen. Die großen Dachprojekte werden von unseren drei Hauptsponsoren – der voestalpine, der Oberösterreichischen Versicherung und Raiffeisen Oberösterreich nicht nur durch Infrastruktur sondern auch mit Projektzuschüssen unterstützt. Eine fachübergreifende Gruppe aus Lehrenden und Studierenden der Anton Bruckner Privatuniversität hat gemeinsam mit dem oberösterreichischen Bildhauer Josef Baier ein eigenes Workshop-Programm für den Höhenrausch entwickelt: Eine Geschichte über schwarze und weiße Engel, die mit Kindern erarbeitet und in Kooperation mit der Gesunden Gemeinde als Ferienprogramm im Sommer angeboten wird. Josef Baier hat dafür auf dem Dach der Passage einen eigenen Klanggarten installiert. „Die Kinder lernen dabei auf spielerische Weise“, so Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, „wie wichtig es ist, im Leben körperlich und geistig in Bewegung zu bleiben.“

Auf dem Höhenrausch-Parcours spielt auch der Themenkomplex „Engel & Musik“ eine wichtige Rolle. Die Sphäre der Musik, als Ausdruck einer universalen Sprache, von allen Kultu­ren und Epochen verstanden, wurde kulturhistorisch immer wieder mit dem Engelhaften in Verbindung gebracht. In seinem Essay The Opera (1852) schrieb z.B. der schottische Historiker Thomas Carlyle: »Music is well said to be the speech of angels«, Musik ist das Sprechen der Engel.

Dieses „Sprechen“ der Engel wird auf dem Höhenrausch auf unterschiedliche Weise hörbar gemacht. Als Engelkonzert auf dem Altarblatt von Martino Altomonte in der Ursulinenkirche aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ebenso wie auf dem Keine Sorgen Turm, wo sieben zeitgenössische Komponisten Chormusik-Miniaturen in einer auf und ab fahrenden Klangkapsel präsentieren: die Stimme als erste Ausdrucksform ‚englischer‘ Musik. Georg Nussbaumer hingegen lässt das Klavier mit den Flügeln schlagen (die Hilfe der BesucherInnen ist dafür nötig), und macht es im wörtlichen Sinn (und verschobener Bedeutung) zu einem tönenden Erz-Engel. Auf dem Flachdach der Passage baut Josef Baier einen Klanggarten aus sphärischen Skulpturen und Instrumenten, die bei den Kinder-Workshops der Bruckneruniversität eine wichtige Rolle spielen und von den BesucherInnen benutzt werden können. Am Ausblick Richtung Landstraße zeigt der bekannte belgische Künstler Chris Martin erstmals in Österreich seine stumme schwingende Glocke – Schwingungen statt Töne.


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