Literatur · Theater

Hiob


Lesung mit Joseph Lorenz anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

„Hiob ist mehr als Roman und Legende, eine reine, eine vollkommene Dichtung, die alles zu überdauern bestimmt ist, was wir, seine Zeitgenossen geschaffen und geschrieben. An Geschlossenheit des Aufbaus, an Tiefe der Empfindung, an Reinheit, an Musikalität der Sprache kaum zu übertreffen.“ Stefan Zweig

Leid, Katastrophen, Krankheit und Tod gehören zu den Erfahrungen, die Menschen wie einst Hiob immer wieder fragen lassen: Wie kann Gott diese Übel zulassen? Jene Suche nach dem Warum von Leid und Tod ist bis heute virulent geblieben. Wie kaum ein anderes Buch hat die Hiobsgeschichte Philosophen, und Dichter zu eigenen Schöpfungen inspiriert.
Höhepunkt der epischen Hiobrezeption ist zweifellos Josef Roths "Hiob. Roman eines einfachen Mannes" aus dem Jahr 1930. Josef Roth erzählt hier die Geschichte eines modernen Hiob: der in Galizien lebende jüdische Lehrer Mendel Singer wandert nach Amerika aus, und dort trifft ihn das Unglück so hart, dass er sich von Gott abwendet. Als Mendel Singer zu verzweifeln droht geschieht das Wunder, durch welches er zu Gott zurückgeführt wird.

„Aus dem Vergehenden, dem Verwehenden, das Merkwürdige und zugleich das Menschlich – Bezeichnende festzuhalten, ist die Pflicht des Schriftstellers. Er hat die erhabene bescheidene Aufgabe, die privaten Schicksale aufzuklauben, welche die Geschichte fallen lässt.“
Joseph Roth

Roth hat dabei einen ganz eigenen Stil. Viele seiner Kritiker beschreiben ihn als „Analytiker“ und „eminenten Beobachter“ (Hermann Kesten) und seine Sprache als „immer wunderbar einfach und strahlend treffsicher“ (Ulrich Greiner).

So einfach die Sprache Roths einerseits auch ist, so ist sie doch kunstvoll gestaltet. Sie schafft Bilder in der Seele des Lesers. Bilder die lange leuchten, mit Worten wie Erz, die lange klingen, welche Besitz ergreifen vom Leser und ihn so zum Bestandteil des Bildes, zum Bestandteil der Musik machen. „Man erlebt statt zu lesen“ – so Stefan Zweig in seiner Hiob-Rezension.


Vergangene Termine