Theater

Hiob


Hiob, der „Roman eines einfachen Mannes“ von Joseph Roth erschien 1930 in Berlin und erzählt die Lebensgeschichte der osteuropäischen Familie Singer in Analogie zum biblischen Hiob.

Mendel Singer, „fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich, ein ganz alltäglicher Jude“, lebt mit seiner Frau Deborah und den vier Kindern in einem wolhynischen Dorf im Südwesten Russlands, Anfang des 20. Jahrhunderts. Mendel arbeitet als Lehrer, bringt den Dorfkindern die Bibel bei und sorgt damit für den kargen Unterhalt der Familie. Nach und nach ereilen ihn und Deborah eine Reihe von Schicksalsschlägen, Hiobsbotschaften: Ihr jüngster Sohn Menuchim kommt behindert zur Welt und bleibt trotz der guten Prophezeiung des Rabbis ein Sorgenkind; den beiden Söhnen, Schemarjah und Jonas, droht das zaristische Militär und Tochter Mirjam, lebenslustig und neugierig, lässt sich mit den Kosaken ein. Deborah gelingt es mit dem ersparten Geld und der Hilfe eines Schleppers, Schemarjah nach Amerika zu schicken. Jonas dagegen ist begeistert davon, Soldat zu sein und geht ins russische Heer. Um Mirjam von den Männern loszureißen, beschließt Mendel, mit Frau und Tochter nach Amerika auszuwandern, dem Sohn Schemarjah zu folgen. Da er den reiseunfähigen Menuchim bei Bekannten zurücklässt, verfolgen ihn die Schuldgefühle über den großen Teich. Kaum in der neuen Heimat eingetroffen, bricht der Erste Weltkrieg aus. Schemarjah, der sich in der neuen Welt Sam nennt, fällt als Soldat im alten ­Europa und der Soldat Jonas gilt in den Kriegswirren als vermisst, Mirjam wird wahnsinnig und ­Deborah stirbt vor Kummer.
In einem zornigen Aufbegehren gegen Gott sagt sich Mendel ­Singer von seinem Glauben los. Doch dann kommt es zu einer wundersamen Wendung: Der zurückgelassene Sohn Menuchim kommt gesund und als begnadeter Musiker und Dirigent nach New York und schließt seinen alten Vater in die Arme. Und Mendel „ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“ Mit dem Wissen darüber, wie die Geschichte des 20. Jahrhunderts weiterging, ein Glück zum Verzweifeln.

Hiob, 1930 erschienen, wurde ­Joseph Roths berühmtester Roman. Er beschreibt vor dem Hintergrund der biblischen Legende den Untergang einer Welt, die der ­erfolgreiche Journalist Roth aus eigener Erfahrung nur zu genau kannte. Roth wurde 1894 im galizischen Schtetl Brody geboren. Die Abwesenheit des Vaters, der wahnsinnig wurde, der Verlust des österreichischen Vaterlandes und die Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Identität prägten seine literarischen Arbeiten, darunter Die Legende vom heiligen Trinker und Radetzkymarsch. 1939 starb Joseph Roth, verarmt und schwer alkoholkrank, im Pariser Exil.

Leitung:

Inszenierung
Peter Wittenberg
Bühne
Florian Parbs
Kostüme
Alexandra Pitz
Musik
Wolfgang Siuda
Dramaturgie
Franz Huber

Besetzung:

Mendel Singer
Vasilij Sotke
Deborah, seine Frau
Verena Koch
Jonas, sein Sohn
Lukas Spisser
Schemarjah, sein Sohn
Christian Manuel Oliveira
Menuchim, sein Sohn
Markus Pendzialek
Mirjam, seine Tochter
Katharina Wawrik
Doktor / Rabbi / Kapturak / Bauer / Psychiater / Skowronnek
Thomas Kasten
Mac / Groschel
Stefan Matousch
Kosack / Menkes
Christian Bauer


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