Theater

Himmelerde



Florian Boesch – Artist in residence
Maskenmusiktheater
von Familie Flöz und Musicbanda Franui
Nach Werken von Franz Schubert, Robert Schumann, Gustav Mahler, Anton Webern u. a.
Eine Koproduktion von Familie

„Franui“ ist eine Almwiese über dem Osttiroler Dorf Innervillgraten, in dem die meisten Mitglieder der gleichnamigen Musicbanda aufgewachsen sind. Seit 1993 verstehen sich die klassisch ausgebildeten Mitglieder von Franui in Eigendefinition als Umspannwerk zwischen Klassik, Volksmusik, Jazz und zeitgenössischer Kammermusik. Die musikalischen Wurzeln des Ensembles liegen in den zur Beerdigung gespielten Trauermärschen ihrer Heimat und der Tanzmusik zum Kirchtag: „Wenn man einen Trauermarsch im vierfachen Tempo spielt, hat man eine Polka.“ In Kategorien lassen sich Franui aber nicht einordnen, die Wirkung ihrer Musik ist niemals eindeutig, jeder Takt und jeder Klang soll möglichst viele Gedanken und Gefühle zulassen. Der Name der Musicbanda entstammt dabei nicht dem eigenen Dialekt, sondern ist rätoromanischen Ursprungs und verweist auf die Nähe zum ladinischen Sprachraum in den Dolomiten. Die Familie Flöz wiederum ist ein Theaterkollektiv aus Berlin, das 1996 aus dem Studiengang Pantomime der Folkwang-Hochschule in Essen hervorgegangen und für ihr nonverbales Maskenspiel bekannt gewordenist. Der Familienname stammt aus der Gründungsregion und ist wie bei Franui ebenfalls Programm. „Flöz“ meint im Bergbau jene Bodenschichten, die die wertvollen Rohstoffe enthalten. In kollektiver Arbeit versucht die Familie Flöz theatrale Stoffe aus dem Dunklen ans Licht der Oberfläche zu befördern. Im Maskenmusiktheater Himmelerde treffen diese beiden Ansätze aufeinander, Ausgangspunkt sind Themen und Motive der deutschen Romantik, die sich durch den Ausdruck größtmöglicher Unterschiede auszeichnen. Konfliktfreiheit war den deutschen Romantikern kein Anliegen, sie versuchten das Komische mit dem Tragischen zu neuen Effekten zu vermischen. Himmelerde vereint neu arrangierte Lieder von Franz Schubert, Robert Schumann oder Gustav Mahler nach Texten von Matthias Claudius, Joseph von Eichendorff, Johann Wolfgang von Goethe oder Wilhelm Müller zu einer Begegnung mit dem Tod und der eigenen Vergänglichkeit, will aber auch von der Sehnsucht nach dem Lebendigen erzählen. Denn Menschen können tot sein, ohne es zu bemerken, während es vom Friedhof zum Tanzboden meist nur ein paar Schritte sind.