Theater

Hexenjagd


Arthur Miller spiegelte damals beeindruckend die Zeit des sogenannten „McCarthyismus“: Der republikanische Senator McCarthy veranstaltete mit seinen Ausschuss für unamerikanische Umtriebe eine Hatz auf vermeintliche Kommunisten und erzeugte im Amerika der 50er Jahre ein aufgeheiztes Klima der Intoleranz.

Die Angst geht um in Salem. Angst vor Hexerei, vor Dämonen, dem Teufel ... Dabei ist eigentlich nichts passiert: Pastor Parris hat eine Handvoll junger Mädchen, darunter seine Tochter Betty und seine Nichte Abigail, dabei erwischt, wie sie in einer Vollmondnacht mit der Sklavin Tituba merkwürdige Tänze im Wald vollführten. Doch aus den pubertären Ritualen wird blutiger Ernst: denn Betty liegt seither ohnmächtig im Bett. Keiner weiß, was ihr fehlt, und schnell wird aus der Unwissenheit Hysterie. Aus Angst vor Strafe bezichtigen die Mädchen wahllos Unschuldige, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Und die bigotte Gesellschaft glaubt ihnen. Bald ist nichts mehr, wie es war: Jeder verdächtigt jeden, Beweise werden nicht gefordert, alte unausgetragene Konflikte verschärfen die Situation. In diesem aufgeheizten Klima genügt ein Gerücht, und ist ein Menschenleben nicht viel wert.

Ob NSA-Affäre, IS-Terror ... die Zeitbezüge von Arthur Millers großartigem Drama liegen auf der Hand: HEXENJAGD erzählt von den Mechanismen der Masse, die einmal in Panik geraten, nicht mehr aufzuhalten ist. Und dass Angst und Massenhysterie nicht nur das Verschwinden jeglicher Vernunft bedeuten, sondern auch den Verlust von Werten und in der Konsequenz der Verlust von Menschenleben.

Miller nutzt den historischen Fall der Hexenverfolgung in Salem, Massachusetts, die im Jahr 1692 zu einer Welle von Hinrichtungen geführt hat: In der puritanischen Gemeinde sucht eine Gruppe junger Mädchen ein Ventil gegen die leibfeindliche Sittenstrenge. Sie veranstalten Geisterbeschwörungen und tanzen nachts im Wald. Als sie erwischt werden, täuschen sie Anfälle vor, um der drohenden Bestrafung zu entgehen, und als das Gerücht von Hexerei aufkommt, nutzen sie die Gelegenheit, die Schuld auf andere abwälzen zu können. Die Dorfbewohner, beständig in Angst vor einer Bedrohung ihrer religiösen Gemeinschaft, greifen begierig nach dieser Erklärung für die mysteriösen „Krankheiten“ ihrer Kinder. Sündenböcke sind auch schnell gefunden, wer am Rand der Gesellschaft lebt, lebt gefährlich. Doch in der zerstrittenen Gemeinde, die religiöse Moral groß schreibt und die Schuld lieber bei anderen als bei sich selbst sucht, entfaltet sich eine tödliche Dynamik. Alte Rechnungen werden beglichen, Menschen aus Habgier willkürlich beschuldigt, Nebenbuhler aus dem Weg geräumt. Wer angeklagt wird hat nur die Wahl zwischen Galgen und Geständnis, Beweise oder gar eine Verteidigung sieht das System nicht vor.

Während die Massenhysterie sich Bahn bricht, steckt John Proctor in der seelischen Klemme: Er hat mit seinem ehemaligen Dienstmädchen Abigail Williams geschlafen und sich des Ehebruchs schuldig gemacht. Zwar hat er seiner Frau den Seitensprung gestanden, doch vergessen hat er das Mädchen nicht. Und Abigail, die sich zur Anführerin der Hexenjagd emporschwingt, will Proctors Frau durch die Anschuldigung der Hexerei aus dem Weg räumen ... In der Figur des John Proctor kulminiert der Konflikt zwischen der eigenen Verantwortung, in der jeder steckt, den Fehlern, die er begeht, und der Schuld, die er auf sich lädt.

Besetzung:

John Proctor Martin Brunnemann
Elizabeth Proctor Sophie Hichert
Reverend Parris Harald Fröhlich
Reverend Hale Theo Helm
Danforth Olaf Salzer
Ann Putnam Susanne Wende
Rebecca Nurse Ute Hamm
Giles Corey Georg Reiter
Cheever / Willard Simon Ahlborn
Abigail Williams Kristina Kahlert
Mary Warren Alexandra Sagurna
Betty Parris Emily Schmeller
Mercy Lewis / Susanna Walcott Magdalena Oettl
Tituba Marena Weller

Regie Maya Fanke
Ausstattung Isabel Graf
Dramaturgie Christoph Batscheider
Licht Marcel Busa
Regieassistenz Ronja Brandt


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