Theater

Herr mit Sonnenbrille



Brandaktuell zu Zeiten von #MeToo stellt der junge Tiroler Regisseur Peter Lorenz in Herr mit Sonnenbrille die Sprachlosigkeit und Unfähigkeit der Menschen einander zuzuhören in den Vordergrund.

Die Szenerie wirkt irgendwie vertraut. Ein Dorf in den Bergen. Die Landschaft: dramatisch bis pittoresk. Früher war hier die Stahlindustrie zu Hause, seit aber die Fabrik stillgelegt wurde, setzt das Dorf ganz auf Tourismus. Nur leider funktioniert das nicht mehr wie gedacht. Die Touristen kommen kurz und bleiben nicht, oder sie kommen gar nicht erst. Ab und zu stürzt sich ein Arbeitsloser von einem malerischen Felsen, und die Dorfjugend hat außer Sex auch keine sinnvolle Beschäftigung mehr. Dennoch ist man hier stolz auf sich. Der Ort, die Landschaft, die Gemeinschaft, nicht zu vergessen die Tradition: So etwas schafft Identität, die einem keiner nehmen kann. «Wenn du drin bist willst du immer mal raus klar aber raus wird allgemein überbewertet.» Ausbruchsversuche sind zwecklos – wohin sollte es auch gehen? Trotzdem versuchen Er und Sie den Aufstand gegen das immer gleiche Wir und kämpfen letztlich doch nur gegen sich selbst. Ein Kampf, den sie nur verlieren können: Sie bleiben und begegnen sich schließlich selbst, einem alten, desillusionierten Paar, für das die Zukunft bloß eine Erinnerung ist.

Brandaktuell zu Zeiten von #MeToo stellt der junge Tiroler Regisseur Peter Lorenz in Herr mit Sonnenbrille die Sprachlosigkeit und Unfähigkeit der Menschen einander zuzuhören in den Vordergrund. Gefangen im patriotischen und männlichen Chauvinismus, entkommen sich die Figuren selbst nicht in der ewigen Enttäuschung ihrer Erwartungshaltungen und dem daraus resultierenden Gewaltpotential zwischen den Geschlechtern. Worthülsen ersetzen einen offenen Diskurs in einer nur scheinbar heilen Welt, liebevolle Intimität verkommt zu “Schwerarbeit ohne Aussicht auf was Großes,” und Sexualität wird zum passiven Konsum.

Es spielen: Barbara Hechenleitner, Monika Haslauer, Jodie Köhle, Angelika Beirer, Elena Beirer, Günter
Jaritz, Regina Penz

Regie: Peter Lorenz
Ausstattung: Nikolaus Granbacher
Leitung: Gertraud Kopp
Rechte bei: Rowohlt Theater Verlag

  • Heute

    18:00
  • Mo., 19.11.2018

    20:00