Kunstausstellung

Hermann Josef Painitz - Selbstverständlich


Unter dem Titel „Selbstverständlich“ vermittelt die Ausstellung, die in der Shedhalle im Landesmuseum Niederösterreich in St. Pölten zu sehen ist, anhand der wichtigsten Werkgruppen von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart die Besonderheit dieses ebenso vielseitigen wie konsequenten Œuvres, das einem analytisch-formalistischen Gestalten verpflichtet ist.

Am Beginn von Hermann J. Painitz’ künstlerischem Schaffen in den 1960er-Jahren stehen zunächst Bilder und Plastiken, die sich, auf Zahlenreihen und gleichförmigen, farbigen Elementen basierend, mit Themen wie Serie, Rhythmus, Reihe beschäftigen. Im Sinne einer „logischen“ Kunst folgen die Werke inneren Gesetzmäßigkeiten, die durch individuelle Zeichensysteme visualisiert werden und sich schließlich in „gegenständlichen Alphabeten“ oder codierten Schriftbildern manifestieren.

Painitz’ Selbstverständnis als Künstler ist maßgeblich von der (Sprach-)Philosophie des Wiener Kreises und einem konzeptuellen Ansatz geprägt, bei dem es primär um die Entwicklung einer neuen Bildsprache und die Ausschaltung jeglicher individueller Willkür geht. „Das Bild ist eine Schautafel für unabänderliche Ordnungen“, so Hermann J. Painitz. Seine ab den 1970er-Jahren entstandenen „Statistischen Portraits“ sind von Otto Neuraths „Wiener Methode der Bildstatistik“ beeinflusst. Ähnlich wie Neurath, dem es darum ging, komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge einfach, plakativ und für jedermann verständlich darzustellen, versucht Painitz mit Hilfe von Diagrammen, Piktogrammen und Organigrammen Sachverhalte, die in der Dingwelt nicht sichtbar sind, zu veranschaulichen bzw. neue visuelle Codes zu entwerfen, die an Stelle von uns vertrauten Zeichen gesetzt werden. Das führt ihn schließlich zu den „gegenständlichen“ Alphabeten, bei denen Buchstaben durch bestimmte Gegenstände ersetzt werden wie z. B. in seinem „Brotalphabet“ (1975), wo jeder Buchstabe jeweils einem Gebäck von spezifischer Form entspricht. Selbst die Merkmale verschiedener Vögel hat Painitz in einer gleichnamigen Werkgruppe nach von ihm erstellten Kriterien in ein abstraktes Zeichensystem übersetzt.
Dechiffrierung ist daher eine Schlüsselkategorie, wenn es um die adäquate Rezeption seines Werks geht.

Sein Schaffen beschränkt sich aber nicht allein auf die bildnerische Tätigkeit, sondern beinhaltet auch zahlreiche theoretische Texte, wie z. B. seine dadaistisch anmutenden Manifeste, seine seriellen Gedichte oder Ausstellungskonzeptionen, die er insbesondere in seiner Funktion als Präsident der Wiener Secession in den Jahren 1977 bis 1983 erarbeitet hat.

Mit besonderem Fokus auf das Werk der 1960er- und 1970er-Jahre vermittelt die von Alexandra Schantl kuratierte Ausstellung erstmals einen repräsentativen Überblick über Painitz‘ Schaffen, wobei auch seine Manifeste, nicht realisierte Bildkonzepte und Entwürfe für Arbeiten im öffentlichen Raum vorgestellt werden. Seine methodische Arbeitsweise wird durch exemplarische Gegenüberstellungen von Notation und ausgeführtem Werk illustriert. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog der erstmalig das künstlerische Werk von Hermann J. Painitz umfassend wissenschaftlich und kunsthistorisch aufarbeitet.


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