Tanz · Theater

Helena Waldmann - Gute Pässe Schlechte Pässe


Helena Waldmann ist Weltreisende in Sachen Tanz: sogar gemessen an den Standards einer durch und durch international arbeitenden Szene dürfte ihr Aktionsradius kaum zu übertreffen sein.

An der Schnittstelle von Regie, Choreografie und soziologischer Feldforschung produziert, tourt und engagiert sich Helena Waldmann seit vielen Jahren weltweit - vom Nahen Osten über Lateinamerika bis nach Asien und Afrika.

Nun probt Sie mit "Gute Pässe Schlechte Pässe" einen weiteren Grenzgang. Nach ihrem aufsehenerregenden Tanzstück "Made in Bangladesh" zu den ökonomischen Parallelen zwischen Fabrikarbeiterinnen in Bangladesch und Künstlerinnen im Westen zeigt sie in ihrer neusten Produktion, in welchem Verhältnis nationale Grenzziehungen und die Sehnsucht nach Geschlossenen Gesellschaften zueinander stehen.

Es ist ein Stück für zwei Tanzkompanien, eine zeitgenössische und eine aus dem Feld des Nouveau Cirque. Zwischen ihnen steht eine sie trennende Mauer aus Menschen. Jeweils vor Ort gecastet, dienen diese Menschen dazu, die Grenze zu repräsentieren. Diese definiert die Kompanien und nimmt ihnen ihre Bewegungsfreiheit. Anders als Informationen, Waren und Geld ist es den Tänzerinnen und Tänzern nicht vergönnt, Grenzen zu überschreiten. Stattdessen zementieren Informationen, Waren und Währung die Zuschreibungen der jeweils anderen, in einer "divided nation" ebenso wie zwischen den Nationen.

Die Choreografie macht die Mechanismen dieser Abschottung mit den Mitteln des Theaters sichtbar. "Gute Pässe Schlechte Pässe" heißt so, weil man in den beiden Kompanien durchaus auch Länder wie Afghanistan oder Syrien vermuten könnte, deren territoriale Krisen den Wert ihrer nationalen Pässe auf Ramschniveau sinken ließ. In der anderen Kompanie wäre vielleicht Europa, Kanada oder die USA auszumachen, deren Pässe höchstes Ansehen genießen, die ihren Inhabern praktisch eine globale Bewegungsfreiheit garantieren.

"Gute Pässe Schlechte Pässe" ist ein bewusst grenzübergreifendes Projekt, das nebst den sieben koproduzierenden Theatern in der Schweiz, Luxemburg und Deutschland auch auf einer weiterführenden Tournee die Debatte befeuern soll, wie selbstverständlich uns unsere Grenzen erscheinen und wie sehr der Nationalismus die Menschen fast unbewusst daran hindert, Entscheidungen so frei zu treffen, um die Welt auch außerhalb eines "closed shop" denken zu können.

Tanzregie: Helena Waldmann
Dramaturgie: Tobias Staab
Licht: Herbert Cybulska
Kostüme: Judith Adam


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