Kunstausstellung

Hawser/ Hofer


Die Arbeiten beider Künstlerinnen werden in einem gemeinsamen Setting auf der Ebene –2 im mumok ausgestellt. Zusammen formulieren sie einen Vorschlag, wie künstlerisch mit historischen oder biografischen Fragmenten umgegangen werden kann, ohne sich in Anachronismen zu verlieren: Hofer und Hawser setzen die vorgefundenen Fragmente der Vergangenheit versiert ein, um sie in der Gegenwart mit neuer Bedeutung zu versehen.

Ab 4. März 2016 zeigt das mumok zwei junge Künstlerinnen, die beide den Nostalgiebegriff in der Gegenwart kritisch reflektieren und mit ihren für das mumok entwickelten Arbeiten neu bewerten. Kathi Hofer in Bezug auf ihre eigene Familiengeschichte und eine damit verknüpfte österreichische Modeerscheinung: Hofer (* 1982 in Hallein) entstammt jener Salzburger Familie, die bis 2000 Walkjanker „Made in Austria“ herstellte. Deren zeitlose Eleganz überlebte 50 Jahre immer neuer Trends und technologischer Innovation und fehlte in keinem Kleiderschrank internationaler Stars oder im Portfolio angesagter Modehäuser und Fashionmagazine – darunter fanden sich die Schauspielerin Grace Kelly, der Schriftsteller Ernest Hemingway und der Pariser Modedesigner Kenzo. Auch Eloise Hawser (* 1985 in London) beschäftigt sich mit längst als obsolet geltenden Objekten und Dingen, die sie unter neuen Vorzeichen in den Kontext zeitgenössischer Kunst einschleust. Ausgangspunkt ihrer Arbeit für das mumok ist die mittlerweile aus dem Gebrauch geratene Kinoorgel, die aufgrund ihrer Komplexität häufig nicht aus ehemaligen Lichtspielhäusern entfernt wurde und daher in der Regel als Designelement in den neuen Gebrauchskontext integriert wird.

Aus dem Fundus der Traditionsfirma Hofer schöpfend, entwickelt Kathi Hofer eine aktualisierte Formensprache, die sich aus wiederverwerteten Materialien, tradiertem Know-how und vererbtem Glamour speist. “A central idea of my project is the idea of recycling: the recycling of materials, processes, of know-how, memories, of style and status.” (Kathi Hofer) Werkzeuge, Produktionsprozesse, Display-Elemente, Verkaufsaccessoires und Fashion-Fotografie aus der Blütezeit der Firma zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren behandelt Hofer als ihre künstlerischen Materialien und fasst sie in einer eigenständigen Installation zusammen. Vor allem auf die sozialen Beziehungsgeflechte zwischen Mensch und Ding nimmt ihre Appropriationsgeste Bezug.

Wiederverwendung von in industriellen Prozessen hergestellten Materialien des alltäglichen Lebens. Mit ihrer ersten Ausstellung in Österreich entwickelt die Künstlerin ihre Recherchen zur Kinoorgel weiter. Im 20. Jahrhundert von dem britischen Telefontechniker Robert Hope Jones erfunden, war sie im frühen 20. Jahrhundert, dem Zeitalter des Stummfilms, ein häufig eingesetztes Instrument, das die musikalische Filmbegleitung durch ein Orchester ersetzen sollte. Sie wurde als bauliches Element oft in die Infrastruktur der Lichtspielhäuser integriert. Mit der Einführung des Tonfilms wurde sie obsolet, aufgrund ihrer Größe und Komplexität jedoch häufig nicht aus den Gebäuden entfernt. Hawser hat sich mit diesem vergessenen Instrument bereits 2015 in der Ausstellung Lives on Wire im ICA London sowie in ihrem Film Solo (The Burberry Wurlitzer) intensiv auseinandergesetzt. Für das mumok produziert sie von diesen Recherchen ausgehend zwei neue Filme, in deren Zentrum Kinoorgeln stehen, die heute stumm in Modegeschäften untergebracht sind: im Burberry Shop in London (UK) und im ehemaligen Wanamaker Department Store in Philadelphia (US).


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