Kunstausstellung

Hans-Jörg Glattfelder: Seh–Übung


1983 prägte Hans-Jörg Glattfelder den Begriff des Meta-Rationalismus und der meta-rationalen Kunst, in der mithilfe der Kunst über Bedingungen für das Entstehen und Bestehen von Rationalität reflektiert wird.

HANS JÖRG GLATTFELDER beschreibt seine Intention zur Ausstellung im Museum der Wahrnehmung MUWA: "Meine Ausstellung im MUWA Graz möchte einigen Fragen nachgehen, die mich seit langer Zeit beschäftigen: ´Was sehe ich eigentlich beim Sehen?´ Genauer: ´Ist mir beim Sehen bewusst, dass und wie ich sehe?´ ´Sehe ich nur, was ich schon weiß?´ Aus diesem Grund ist ein großer Teil der ausgestellten Werke, vor allem die Installationen, zu verstehen als eine Art Turngeräte, an denen man die genannten Fragen exerzieren kann."
GLATTFELDER bezeichnet sich als konstruktivistischen Maler und Autor, geht jedoch einen eigenständigen Weg über die orthodox-konkrete Linie dieser Kunstrichtung hinaus. Er anerkennt deren Grundprinzipien, sein Umgang mit ihnen ist jedoch ein diskursiver, ein befragender, ein immer wieder durch syntaktische Veränderungen testender, ein neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigender, also ein für Unvorhergesehenes offener. GLATTFELDER hält dies für unabdingbar für die Lebendigkeit der gegenwärtigen Entwicklung der konstruktiv-konkreten Kunst, deren Bezug zum Leben unaufhörlich kritisch durchdacht werden müsse. Dinge rational durchzudenken und dann entsprechend zu handeln, ist seine Strategie, er verwehrt sich gegen bloße Attitüden und gegen den Dekorationscharakter: "Wahrheit muss auch dabei sein! Starke Kunst hat einen appellativen Charakter."
1983 prägte GLATTFELDER den Begriff des Meta-Rationalismus und der meta-rationalen Kunst, in der mithilfe der Kunst über Bedingungen für das Entstehen und Bestehen von Rationalität reflektiert wird. Die Aufgabe dieser Kunst bestehe darin, "der Bildstruktur die Würde der Fragwürdigkeit zu geben" und darüberhinaus die Kunst im methodischen Ansatz gegenüber der Wissenschaft dialogfähiger zu machen.
Der Künstler zeigt in der Ausstellung Werke aus mehreren Schaffensperioden bis hin zu neuen Arbeiten von 2014, so beispielsweise aus der Serie "Permutationen", die nicht dem Selbstzweck dienen, sondern eine syntaktische Funktion im Sehprozess haben: Einzelne Konstellationen verschiedener Farb- und Größenvarianten können einzeln fokussiert, ins Bewusstsein gehoben werden, während die übrigen Kombinationen in den Wahrnehmungshintergrund treten. Prozesshaft werden die visuellen Umschichtungen von den BetrachterInnen vorgenommen und dienen der Erweiterung des visuellen Bewusstseins. Voraussetzung ist das Einlassen auf diese visuelle Wahrnehmungserfahrung, so GLATTFELDER, denn: "Wer nicht mitspielt, hat nichts von der Sache."

Eva Fürstner


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