Kunstausstellung

Hans im Glück


Wer am 11. September 2014 den Kunstraum Niederoesterreich besucht, wird ihn leer vorfinden. Die Ausstellung ist eröffnet, doch die Werke fehlen.

Gestapelte Plakate setzen ein Murmeln in Gang: Sie erzählen von 13 märchenhaften Expeditionen, die am darauffolgenden Tag ihren Anfang finden werden. Unsere Künstler_innen starten an verschiedenen Punkten Niederösterreichs, schlagen sich durch ein selbstgewähltes, natürliches oder urbanes Dickicht und erreichen eine Woche später den Kunstraum im Herzen von Wien. Von ihrer Wanderung bringen sie Begegnungen, Gerüchte und künstlerische Beute mit. Sie tun es dem Grimmʼschen Hans nach und vertrauen sich sieben Tage lang dem Weg an.

Hans ist der Held unserer Ausstellung, denn er ist im besten Sinne unbedarft. Er verfällt weder der Vergangenheit noch der Zukunft, sodass er ganz und gar der Gegenwart gehört. Er respektiert seine Impulse und verwandelt, was er mit sich trägt. Er tut dies ohne jede Strategie, er setzt Schritt um Schritt, ohne Vorausschau auf das letzte Ergebnis seiner Verwandlungen. Menschen der Kunst stehen diesem Prozess nahe, geht er doch zahllosen Werken voraus. Und doch muss Hans ein Fremder bleiben, denn die Trennung von Wohlstand und Wohlergehen mag wenigen so leichtherzig gelingen wie dem Grimm’schen Heimkehrer. Die eigentliche Provokation, die dem Märchen seine Spannkraft erhält, ist aber im Schluss des Textes verborgen: Die Gebrüder Grimm lassen Hans ziehen. Alles, was wir geneigt sind, ihm vorzuwerfen – Naivität, Gutgläubigkeit, Verschwendung –, erreicht ihn nie. Hans darf bis zum Ende in seinem Glück verweilen, während wir täglich ausziehen, um das unsrige wiederzuerlangen.

Öffnungszeiten

Di - Fr 11.00H - 19.00H
Sa 11.00H - 15.00H
Mo, So und Feiertag geschlossen


Vergangene Termine