Klassik

Tonkünstler-Orchester Niederösterreich


John Storgårds und die Tonkünstler erzählen eine Heldengeschichte in drei Kapiteln: In Beethovens einziger Oper "Fidelio" kündigt das Trompetensignal ein Ende der Ungerechtigkeit an. Die Trompete ist auch der tönende Held in Brett Deans Konzert "Dramatis Personae", das für niemand geringeren als den Solisten Håkan Hardenberger selbst geschrieben wurde. Am Ende kommt der wahre Musikheld Beethoven mit seiner Symphonie Nr. 8 wieder selbst ausführlich zu Wort.

Programm:

Ludwig van Beethoven
 Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, op. 72a

Brett Dean
 Dramatis Personae. Konzert für Trompete und Orchester

-------- Pause ----------

Ludwig van Beethoven
 Symphonie Nr. 8 F-Dur, op. 93.

Chefdirigent ab September 2015 ist Yutaka Sado, einer der bedeutendsten japanischen Dirigenten unserer Zeit. Seine Karriere entwickelte sich in Europa zunächst vor allem in Frankreich. Der langjährige Assistent von Leonard Bernstein und Seiji Ozawa ist seit 2005 Künstlerischer Direktor des Hyogo Performing Arts Centre (PAC) und Chefdirigent des PAC-Orchesters. Yutaka Sados Bekanntheitsgrad in Japan ist enorm, nicht zuletzt dank seiner wöchentlichen TV-Sendung, in der er Musikfreunden die Welt der klassischen Musik näher bringt.

Alternative Programmwege der Tonkünstler werden von Musikern, Publikum und Presse gleichermaßen geschätzt. Die Einbeziehung von Genres wie Jazz und Weltmusik im Rahmen der «Plugged-In»-Reihe, die mittlerweile in ihr neuntes Jahr geht, sichert dem Orchester einen fixen Platz am Puls der Zeit. Mit Aufführungen von Werken zeitgenössischer Komponisten stellen sich die Tonkünstler aktuellem Musikgeschehen. Ein Composer in Residence arbeitet jährlich mit den Tonkünstlern im Rahmen des Grafenegg Festivals zusammen. Komponisten wie Krzysztof Penderecki, Kurt Schwertsik, Arvo Pärt, Brett Dean, HK Gruber, Friedrich Cerha und Bernd Richard Deutsch schrieben Auftragswerke für das Orchester.

Als einziges österreichisches Symphonieorchester verfügen die Tonkünstler über drei Residenzen. Eine mehr als 60-jährige Tradition verbindet sie mit den Sonntagsnachmittags-Konzerten im Wiener Musikverein, der noch heute erfolgreichsten Programmreihe der Tonkünstler. Das Festspielhaus St. Pölten wurde am 1. März 1997 von den Tonkünstlern feierlich eröffnet. Seither bedienen sie als Hausorchester mit Oper-, Tanz- und Vermittlungsprojekten sowie umfangreichen Konzertangeboten verschiedenste Genres und gestalten somit einen entscheidenden Anteil des künstlerischen Angebots in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. In Grafenegg, wo mit dem Wolkenturm – auch er wurde von den Tonkünstlern eingeweiht – und dem Auditorium akustisch herausragende Spielstätten zur Verfügung stehen, konzertieren die Tonkünstler als Festival-Orchester. Eröffnet wird die Sommersaison in Grafenegg alljährlich mit der Sommernachtsgala, die in Österreich und mehreren Ländern Europas im Fernsehen und im Rundfunk ausgestrahlt wird.

Die wechselvolle Orchestergeschichte ist in hohem Maße von den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts beeinflusst worden. Im Oktober 1907 gab das Wiener Tonkünstler-Orchester mit 83 Musikern sein erstes Konzert im Wiener Musikverein; am Pult standen keine Geringeren als der Dvořák-Schüler Oskar Nedbal, Hans Pfitzner und Bernhard Stavenhagen, ein Schüler Franz Liszts. 1913 gestalteten die Tonkünstler unter der Leitung von Franz Schreker die Uraufführung der „Gurre-Lieder“ von Arnold Schönberg; von 1919 bis 1923 war Wilhelm Furtwängler Chefdirigent. In den Folgejahren wurde das Orchester von Bruno Walter, Otto Klemperer, Felix Weingartner, Hans Knappertsbusch und Hermann Abendroth dirigiert.

Seit 1945 sind die Tonkünstler das Symphonieorchester des Landes Niederösterreich. Dem daraus resultierenden kulturellen und künstlerischen Bildungsauftrag werden sie Jahr für Jahr mit ihrem umfangreichen Konzertangebot an zahlreichen Spielstätten des Landes, darunter die Neujahrskonzert-Serie, sowie mit Musikvermittlungsprojekten und ihrem Engagement für die zeitgenössische Musik in Niederösterreich gerecht. 2001 erfolgte die Gründung der NÖ Tonkünstler BetriebsGesmbH. Richtungsweisend für die Zukunftssicherung des Klangkörpers waren die Unterzeichnung der unbefristeten Fördervereinbarung mit dem Land Niederösterreich und die damit verbundene Aufnahme in die NÖ Kulturwirtschaft GesmbH als Kulturmanagement-Organisation.

Als erstes österreichisches Orchester richteten die Tonkünstler 2003 eine separate Abteilung für Musikvermittlung ein: Die Tonspiele sind eines der größten Musikvermittlungsprogramme Österreichs.

Zu den solistischen Partnern des Orchesters zählen neben anderen Renée Fleming, Joyce DiDonato, Angelika Kirchschlager, Lisa Batiashvili, Sol Gabetta, Michael Schade, Daniel Hope sowie die Pianisten Rudolf Buchbinder, Fazıl Say, Kit Armstrong und Lang Lang. Als Gastsolisten für die bevorstehende Konzertsaison 2015-16 konnten gefragte Virtuosen wie der Oboist Albrecht Mayer und die Violinisten Augustin Hadelich, Christian Tetzlaff und Arabella Steinbacher sowie der Harfenist Xavier de Maistre verpflichtet werden.

Tourneen führten die Tonkünstler in den vergangenen Jahren nach Großbritannien, Deutschland, Spanien, Slowenien, in das Baltikum und wiederholt nach Japan. In der Konzertsaison 2013-14 absolvierten sie eine ausgedehnte Großbritannien-Tournee mit Andrés Orozco-Estrada. Für den Mai 2016 ist eine mehrwöchige Japan-Tournee unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Yutaka Sado in Vorbereitung.

Zahlreiche CD-Aufnahmen spiegeln das vielseitige künstlerische Profil des Orchesters wider. Dazu zählen die Symphonie Nr. 2 «Lobgesang» von Felix Mendelssohn Bartholdy und Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1, beide unter der Leitung von Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada. Im Jahr 2014 erschienen die Symphonien Nr. 1 und 3 von Mendelssohn Bartholdy, die Symphonien Nr. 4 und 5 folgten 2015. Im Frühjahr 2015 wurde die Gesamteinspielung der vier Symphonien von Johannes Brahms präsentiert. Ebenfalls unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada kam 2013 die «Symphonie fantastique» von Hector Berlioz bei OehmsClassics heraus. Weiters erschienen unter der Leitung von Kristjan Järvi Leonard Bernsteins «Mass», Joseph Haydns Pariser Symphonien und Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 9 in der Fassung von Gustav Mahler. Ebenso erhältlich sind Mendelssohn Bartholdys «Sommernachtstraum», Schumanns «Manfred», Franz Schmidts «Buch mit sieben Siegeln» sowie die «Desert Music» von Steve Reich und die «Zeitstimmung»/«Rough Music» von HK Gruber. 2012 erschien die CD «ZEIT:PUNKTE» mit drei Auftragswerken.

Im Hörfunk sind die Tonkünstler an jedem letzten Donnerstagabend im Monat mit der Sendung «Tonkünstler» präsent. ORF Radio Niederösterreich bietet eine Vorschau auf die musikalischen Höhepunkte, Informationen zu aktuellen Projekten der Tonkünstler und zu anderen Veranstaltungen im niederösterreichischen Musikleben. Das Buch «Die Tonkünstler. Orchester-Geschichten aus Wien und Niederösterreich» erschien 2007 zum 100-jährigen Jubiläum des Klangkörpers. Beiträge von Otto Biba, Ernst Kobau, Philipp Stein, Markus Hennerfeind, Wilhelm Sinkovicz, Walter Weidringer und Herausgeber Rainer Lepuschitz beleuchten Aspekte der österreichischen Orchestergeschichte, die bisher wenig oder gar nicht dargestellt wurden.


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