Gunilla Heilborn - Gorkij Park 2: A place for recreation


Wir schreiben das Jahr 1983, drei entstellte Leichen werden im größten Moskauer Vergnügungspark gefunden. Kaum jemand erinnert sich heute noch genau an den Hollywood-Thriller „Gorky Park“. Dennoch hat dieser Film Bilder geschaffen, die in ihrer Vereinfachung ikonografisch den Kalten Krieg repräsentieren – wild umherspringende Zobel im engen Drahtkäfig oder der eisige Atem von Pelzmützen-Trägern im Gorki-Park stehen für die Sehnsucht, der eisernen Faust des Regimes zu entrinnen.

Für Gunilla Heilborn ein fruchtbarer Boden, um mit diesen Versatzstücken der Erinnerung „Gorkij Park 2“ zu inszenieren. Zwar greift sie den einen oder anderen Erzählstrang auf, unterzieht aber scheinbar unbedeutende Details einer genaueren Betrachtung, um damit eine gänzlich neue Geschichte in Gang zu setzen.

Die eigenwillige Art, mit der Gunilla Heilborn (sie stammt aus Stockholm, wo auch Teile des Originalfilms gedreht wurden) Text, Tanz, Video und Bilder mit trockenem Humor zu filmischen Choreografien collagiert, hat ihr den Ruf als eine der interessantesten Performance- und Filmkünstlerinnen Schwedens eingebracht.

In „Gorkij Park 2“ stehen vier Performer im Zentrum eines Genre-Pastiches, das mit jenem Sozialrealismus kokettiert, der einst in die literarischen Werke von Maxim Gorki, nach dem der Park benannt wurde, Eingang fand. Zudem geht es um eine Bergarbeiterstadt in Spitzbergen, eine ehemals sowjetische Kolonie in Norwegen – mittlerweile ein verlassener Ort, an dem das einstige utopische Moment ebenfalls nur noch als Erinnerung nachklingt.

Gunilla Heilborn lauscht diesem Klang nach – existiert dieser Tage noch ein gemeinsames Verlangen nach Utopien, die brennende Sehnsucht nach einer besseren Welt? Oder hat es seine Gründe, warum in „Gorkij Park 2“ der Winter, Schnee und Kälte eine tödliche Bedrohung darstellen?

Erstaufführung im deutschsprachigen Raum

Talk nach der Vorstellung am So 05/10

In englischer Sprache

Konzept Gunilla Heilborn
Choreografie und Text Gunilla Heilborn & Performer
Mit Johan Thelander, Kristiina Viiala, Henrik Vikman u. a.
Tondesign und Komposition Franz Edvard Cedrins
Bühne und Kostüme Katarina Wiklund
Licht Miriam Helleday


Termine

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