Pop / Rock

Großstadtgeflüster


Eine Band, so vielseitig wie das Leben in einer Großstadt nur sein kann. Eine Band, die anders ist, weil sie beweist, wie wenig Style mit Regeln zu tun haben muss und wie wohltuend es sein kann, genau diese Regeln in den richtigen Situationen zu brechen!

Jen Bender und Raphael Schalz sind Großstadtmenschen. Die eine Berlinerin. Der andere Bremer. Beide Mitte zwanzig. Aber genau wie eine Großstadt im besten Falle aus einem interessanten Gemenge kultureller Einflüsse und unterschiedlichen Charakteren besteht, genau so sind auch Raphael und Jen an unterschiedlichen Polen angesiedelt. Sie laut, direkt, immer Cutting Edge gestylt, gerne um neun Uhr morgens auf der Bassbox anzutreffen. Er der kreative Ruhepunkt, der im heimischen Studio Pizzakartons und Aschenbecher stapelt, permanent an Songideen arbeitet und sein Haus nur dann gerne verlässt, wenn der SV Werder Bremen gerade ein Spiel in der Nähe hat. Sie nicht unbedingt eine Raverin. Er ebenso wenig ein Nerd. Aber sehr unterschiedlich. Wie diese zwei Menschen sich näher kennenlernen: Rätselhaft und im Dunkeln bleibend. Und nicht nur das: Die mögen sich sogar, verschmelzen zu einem Kreativduo, dass sich seit Gründung von Grossstadtgeflüster im Jahre 2003 immer mehr als Band begreift.

Jen Bender, die Laute mit dem arty Familienhintergrund, erkennt schnell das Potential dieser brechenden Bassmonster, die Raphael Schalz mit Überdruck aus dem Pult jagt. Das Debütalbum ?... muss laut sein?, dass sich über einen langen Aneinandertastungsprozess entwickelt hat, zeigt, wie die Innenwelten junger Frauen mit ein paar BPM und etwas Druck im Niedrigfrequenzbereich kanalisiert und entfesselt werden können. Es geht um Sex ? der auf der Platte meistens ?ficken? heißt ? und Liebe, um das Problem, beides miteinander zu verwechseln. ?Liebe schmeckt gut?, der nicht besonders heimliche Hit und somit auch die erste Single der LP, versucht, Gefühle begreifbar zu machen, geschmacklich, haptisch. Am Schluss riecht Liebe wie frisch gebacken und wenn dem so ist, dann möchte man unbedingt dauerverliebt sein. Das wäre ja grundsätzlich gesehen auch nicht schlecht.

Emotionale Texte verlangen nach emotionaler Musik. Grossstadtgeflüster erzielen auf Albumlänge eine eklektische Stilvielfalt, die selten geworden ist, seit Popmusik oft nur noch in Genreschubladen verstaubt. Die Single ?Liebe schmeckt gut? atmet diese Freigeistigkeit und führt sie schlussendlich auf die Wurzeln zurück: Pop, in allerbester Tradition und Konsequenz, die sinnlose Kredibilitätsdebatten erst gar nicht aufkommen lässt. Hallo Akkordeon, hallo Housebeats, hallo Hook: Dieser Song erzählt in jeder Note übers Verliebtsein und wer dazu einen theoretischen Überbau von Krysztof Penderecki braucht, wird sich auf dieser Party nicht wohlfühlen. Für alle anderen bleibt ein Geschmack von Jugendliebe im Gehörgang zurück.


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