Theater

GOSTNER. 1000 Tage


„GOSTNER. 1000 Tage“ ist eine Retrospektive eines immerwährenden Schocks, einer generationsübergreifenden Seelenverletzung, die der Nationalsozialismus vielen seiner Zeitzeugen aufgezwungen hat. Erwin Gostner verbracht tausend Tage als politischer Gefangener in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten, und überlebte. Als der Krieg vorbei war, schrieb er diesen Ereignisbericht und sprach nie wieder ein Wort über die Schrecken dieser Zeit. Das Buch ist nun fast 80 Jahre alt und hat an Aktualität nichts verloren. Am heutigen Abend werden seine Erinnerungen zum Leben erweckt.

"Haltet die Fackel der ewigen Erinnerung aufrecht", schreibt der einstige Gefangene Berthold Klinghofer, "sonst werden künftige Generationen nicht glauben, daß solche Grausamkeiten im 20. Jahrhundert möglich waren. In [dieser] Tragödie scheinen die Toten zu mahnen..[…]" (In: Andrea Reiter: Auf daß sie entsteigen der Dunkelheit. Die literarische Bewältigung von KZ- Erfahrung © Löcker Verlag, Wien 1995, S.4)

Inhalt

Der Tiroler Erwin Gostner, geboren 1914 in Innsbruck, geht als Beamter gegen die illegalen Tätigkeiten der Nationalsozialisten in Österreich vor, bevor er 1938 im Zuge des „Anschlusses“ von der SA verhaftet und nach Dachau deportiert wird. Von nun an ist Erwin Gostner nur noch eine Nummer. Mit nüchternem Blick und mit der Präzision eines geschulten Journalisten hält Erwin Gostner das Erlebte nach Kriegsende in einem selbst verfassten Erfahrungsbericht fest, der auf der Bühne lebendig wird. Sein Buch „1000 Tage im KZ“ wurde 1945 im Eigenverlag publiziert; eine Neuauflage erschien 2018 im Haymon Verlag. Nadja Prader siedelt die Inszenierung in einer bruchstückhaften Erinnerungslandschaft an. Das Sprechtheaterstück mit Solo-Geige, experimentellen Klängen und Improvisationen spiegelt das Erzählte in symbolischen und musikalischen Bildern wider und vertraut dabei ganz auf die Kraft des Gesagten.

Die Fragen, die sich Erwin Gostner in Gefangenschaft stellt, sind zeitlos: Was mag der sonntägliche Spaziergänger denken, der auf seinem Weg an den Mauern des KZ vorübergeht? Was geht in dem Kopf eines Blockführers vor, der einen Gefangenen zu Tode foltert? Wie wird ein Freund zum Feind, wie ein Feind zum Freund? Und wie nah liegt beides manchmal zusammen? Und immer
von Neuem führen alle Fragen zu der einzigen, dringlichsten: Wie ist es möglich, zu überleben?

Erwin Gostner| Gregor Kronthaler
Div. Rollen u. Geige| Lisa Kärcher
Einspielungen mit Clemens Aap Lindenberg, Klemens Dellacher,
Clara Diemling und Michaela Krauss-Boneau
Inszenierung | Nadja Prader
Kostüm| Vivienne Westwood Ltd.
Technik| Michael Klejna
Foto| Michaela Krauss-Boneau
Aufführungsrechte| Haymon Verlag
Eine Produktion vom Kulturverein Zitronenwalter

STÜCKDAUER| 75 min.
ALTERSEMPFEHLUNG | 14-99 Jahren
FORMAT| Performatives Theaterstück

VVK: 18,-

AK: 20,-


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