Theater

Gospodja Ministarka


Hinter jeder Replik von Nušić lauert der sprichwörtliche kleine Mann, der sich um jeden Preis über sein mittelmäßiges Umfeld erheben und für dieses Umfeld, so wie es eben geschaffen ist, wichtig sein will – so sehr, dass das seiner Erziehung, Bildung und Tradition, seinem ganzen Wesen, also, zuwiderlaufen würde. Hinter fast jeder Replik von Nušić lauert der eine oder andere sprichwörtliche kleine Mann, der sich wünscht, dass auch sein Tag mal kommt, jedoch, wenn möglich, ohne viel Zutun seiner selbst, wohl aber mit etwas familiärer Unterstützung, Anbiederung und Unterwerfung. Frau Popović kommt ganz zufällig an die Macht. Und so sehr sie auch bemüht ist, sich in der neuen Situation zurechtzufinden, schafft sie es nicht. Und sie, die weder ein Emporkömmling, noch eine böse Frau ist, fängt an, sich zu verändern, von dem großen Wunsch getragen, der Macht würdig zu sein. Am Ende ist sie keine beneidenswerte Erscheinung. Frau Živana wird es dann schwer haben, zu ihrem alten Leben zurückzufinden, von dem „die Welt“ glaubt, dass es klein und voll von ganz gewöhnlichen Sachen ist.

Branislav Nušić ist ein Schriftsteller, für welchen die Zeit arbeitet, er gewinnt an Aktualität. Das, was er vor hundert Jahren geschrieben und beschrieben hat, könnte nahezu aus unserer heutigen Wirklichkeit vorweggenommen sein. Natürlich ist es nicht immer lustig, wenn man begreift, dass es das, was wir heute leben und erleben, schon einmal, mehr oder weniger, gegeben hat, wenn das, aber, aus der Feder eines Nušić kommt, so wird das einem sicherlich auch ein Lächeln entlocken.

in serbischer Sprache


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