Theater

Götterspeise


Eine Mischung aus Poesie und Absurdität in einer komisch-kaputten Welt zwischen Traum und Albtraum. Die Stücke des Vielschreibers Haidle sind eine höchst abwechslungsreiche Speise, nicht nur für die Götter!

Österreichische Erstaufführung
von Noah Haidle

Kann man durch Kochen die Welt verbessern? Welche Zutaten braucht es, um in einer Ellenbogengesellschaft voller Individualist*innen für mehr soziale Wärme und ein besseres Miteinander zu sorgen? „Mitgefühl ist der einzige Weg, wie die Welt noch zu retten ist“, sagt Constant, eine begabte und hingebungsvolle Autodidaktin am Kochlöffel. Im Handumdrehen revolutioniert sie den faden Speiseplan ihrer alten Schulkantine. Und tatsachlich: Für eine Weile wird die Mensa-Tristesse dank Roastbeef in Rotweinsoße und Crème Brûlée – abgeschmeckt mit viel Leidenschaft und Zuwendung – aufgehoben und Verständnis und Harmonie breiten sich im Schulgebäude aus.

Doch auch für Köch*innen und Gourmets ist der Alltag kein Zuckerschlecken. Von ihrem Geliebten, einem verheirateten und doch einsamen Mathematiklehrer, geschwängert und sitzengelassen und schließlich von der Schulleitung aus Kostengrunden wegrationalisiert, rastet die Köchin aus. Doch die „Heilige Constant der Cafeteria“ gibt nicht auf. Als alleinerziehende Mutter setzt sie ihren Feldzug für Nächstenliebe, Mitgefühl und besseres Essen fort – unbeirrbar und am Ende doch in die Irre laufend.

Der amerikanische Dramatiker Noah Haidle, geboren 1978, ist in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Theaterraum für seine tragikomischen Grotesken bekannt geworden, die den Kampf des Menschen mit den Verstrickungen des Alltags im Kleinen aufspüren und vergrößern. Der „heitere Apokalyptiker“ („Die Zeit“) treibt seine meist rettungslos optimistischen Hauptfiguren in einer Mischung aus Poesie und Absurdität durch eine komisch-kaputte Welt zwischen Traum und Albtraum. Dabei gewinnen diese Expertinnen des Alltags in ihrer Beharrlichkeit für kurze Momente mitunter die tragische Große antiker Dramenheldinnen, nur um kurz darauf wieder unsanft in die Banalität des Provinzlebens zurückgeholt zu werden. Die Stücke des Vielschreibers Haidle sind eine höchst abwechslungsreiche Speise, nicht nur für die Götter!

Regie Jan Stephan Schmieding
Bühne Rosa Wallbrecher
KostümeTanja Kramberger
Musik Bernhard Neumaier
LichtThomas Trummer
Dramaturgie Martin Baasch

Mit
Constant: Julia Gräfner
Mann 40+: Oliver Chomik
Mann 30+: Florian Köhler
Mann 18: Florian Stohr
Frau 30+: Nanette Waidmann
Frau 17: Maximiliane Haß


Vergangene Termine