Kunstausstellung

Glanz & Glamour - Feiern bei Hofe


Höfische Feiern und Feste verbinden wir mit glanzvollen Veranstaltungen samt glamouröser Prachtentfaltung und einfallsreichen Unterhaltungen, den sog. Divertissements. Dies gilt im Besonderen seit dem Barock und seinem auf Effekte und Überhöhung ausgerichteten Gesamtkunstwerk. Ob bei Krönungen, Hochzeiten, Geburten oder Regierungsjubiläen: bei allen höfischen Anlässen wurde der Ablauf nach einem festgelegten Protokoll oder Ritus festgelegt. Nichts sollte daher dem Zufall überlassen werden. Die Ausstellung spannt einen phänomengeschichtlichen Bogen von der Zeit des Prinzen Eugen bis zum Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 – von den Prunkopern und Rossballetten unter Kaiser Leopold I. bis hin zur letzten Krönung eines Habsburgers im Kriegswinter 1916, wo im Dezember 1916 für die Krönung Kaiser Karls und Kaiserin Zitas selbst die kostbaren Prunkkarossen aus der Wagenburg von Schönbrunn nach Budapest gebracht wurden.

Neben dem Kapitel KRÖNUNGEN ALS FEST UND STAATSAKT widmet sich die Schau auch den LEBENSSTATIONEN ALS ANLÄSSE. Geburt, Taufe, Namens- und Geburtstage, Hochzeiten wie auch Begräbnisse wurden seit jeher bei Hof besonders begangen und von den Untertanen mitgefeiert. Schon bei der Geburt eines Thronfolgers wurden Salutschüsse abgefeuert und Festbeleuchtung angeordnet. Der festliche Rahmen ist nicht nur mitentscheidend für das Gelingen eines Festes, im Barock signalisiert er zugleich den Rang des jeweiligen Fürsten und seiner Dynastie. GLANZVOLLE RAHMEN widmet sich daher dem Thema des (barocken) Festsaals, der mit seiner Ausstattung zur repräsentativen Bühne für Bälle, Bankette und sonstige Spektakel wurde. Im Themenkreis DIVERTISSEMENTS IM JAHRESKREIS steht die höfische Festkultur im Mittelpunkt. Sie verdankt ihre Vielfalt nicht nur den traditionellen Anlässen, sondern auch der Angst vor Langeweile, dem Unglück der Glücklichen. Das Zauberwort lautete daher: Divertissements. Geboten wurden diese Unterhaltungen zu allen Jahreszeiten auf hohem Niveau: im Fasching bei Maskeraden und Redouten, im Sommer bei Gartenfesten und den sogenannten Bauernwirtschaften, im Herbst bei Jagd- und Weinfesten, im Winter bei Schlittenfahrten oder bei einem der beliebten Festaufzüge. Dem ÜBERRASCHUNGSEFFEKT ist ein eigenes Kapitel gewidmet, denn effektvolle Überraschungen verwandelten herkömmliche Feste in exklusive Spektakel. Für die barocken Hoffeste mit Opern, Komödien, Balletten, Musikaufführungen, Maskeraden, Bällen oder Gartenfesten wurden eigens Künstler beschäftigt, die ihre Kunst der Überraschung vor allem durch Verkleidung, Verfremdung und Täuschung ausübten. DIE LUST AM ZEREMONIELL führt vor Augen, dass höfische Feste nach strengem Reglement und der genauen Planung nach dem jeweils geltenden Hofzeremoniell verlangten. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden, denn in jeder Geste und Referenz lagen Bedeutung und gegenseitige Bestätigung des jeweiligen Ranges.

Am Beispiel der INSZENIERTEN TAFEL wird ersichtlich, dass ein höfisches Festbankett sowohl der Gaumenfreude, als auch der Augenlust diente, weshalb die Tafel zu einer Art Bühne wurde. Die zahllosen Speiseschüsseln, Terrinen, Saucieren, Platten, Teller und pompösen Tafelaufsätze wurden so zu ihren stummen Akteuren. Die Schau lässt auch die AKTEURE HINTER DEM FEST nicht unberücksichtigt. Denn die großen Feste bei Hof erforderten eine gut organisierte Maschinerie, um bei großen Banketten hunderte Menschen in kürzester Zeit zu tractiren, also zu bedienen. Trotz des Anscheins von größtem verschwenderischem Aufwand hatten die Akteure dabei auch immer die Wirtschaftlichkeit im Auge zu behalten. Damit geht es weiter zum Themenraum AUF ZUM TANZ. Der Tanz krönte viele höfische Feste und zählte daher auch zu den wichtigsten Unterrichtsfächern am Wiener Hof. Schon mit vier oder fünf Jahren nahmen etwa die Kinder Maria Theresias an Tanz- und Theaterveranstaltungen teil. Die Erzherzöge und Erzherzoginnen führten bei großen gesellschaftlichen Anlässen wie Bällen, Familienfeiern und auch Hochzeiten ihre Tanzkünste vor. Dass Kaiser Franz Josef hingegen zeitlebens ein Tanzmuffel war und als notorischer Frühaufsteher Abendtermine mied, bleibt hier nicht unerwähnt. Nicht nur ihm machte man mit einem Jagdtermin viel mehr Freude.

Das Thema VON LUST-JAGDEN UND JAGDFESTEN erinnert daher daran, dass die Lust-Jagden als feudales Privileg einen besonderen Vorrang unter den festlichen Vergnügungen einnahmen. Sie wurde für viele Habsburger die eigentliche Passion, wobei Karl VI. wie auch Thronfolger Franz Ferdinand mit ihren hohen Abschussquoten jeweils Extrempositionen markieren. Damit kommen wir zum Kapitel SCHLOSS HOF ALS FESTBÜHNE. Beim mehrtägigen Fest, das Prinz von Sachsen-Hildburghausen 1754 hier zu Ehren von Franz Stephan und Maria Theresia gab, stand auch die Jagd im Mittelpunkt. Das legendäre Fest gipfelte am 26. September 1754 in einem prächtigen Bacchantenzug: Begleitet von Herolden, Trompetern, Nymphen und Satyrn zog Bacchus unter den Fenstern des Herrscherpaars vorbei. Gleichsam, als Rausschmeißer erhält der Besucher unter dem Motto ZWISCHEN GLAMOUR UND PEINLICHKEIT Einblicke in die Eitelkeiten und (Un-)Sitten am Rande von Hoffesten. Schönheit ist überall ein gar willkommener Gast (Goethe) – nirgends wird das deutlicher als beim Fest, dem heiß umkämpften Terrain der Eitelkeiten. Was einem die Natur versagt, wird durch den glamourösen Auftritt wettgemacht. Glamour (vom englischen grammar =schrift-gelehrsam) bezeichnete ursprünglich den Zauberspruch beziehungsweise die Verhexung, meint hier aber eine effektvolle Selbstinszenierung. Diesbezüglich schließt sich der Bogen nahtlos zum Schönheitskult unserer Tage.


Vergangene Termine

  • Mo., 07.04.2014 - So., 02.11.2014

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    Dieser Termin hat bereits stattgefunden.