Theater

Gehen Gang Gegungen


Die beiden Schauspielerinnen Maria Hofstätter und Martina Spitzer lesen aus den Werken bekannter Schriftsteller, wie Thomas Bernhard, Ernst Jandl, Honoré de Balzac und Peter Handke.

Mit ihren Stimmen führen sie das Publikum philosophisch wie auch unterhaltsam an unterschiedlichste Orte. Die “literarisch musikalische Hatscherei” begleiten Karl Stirner an der Zither und Walther Sojka an der Knopfharmonika.

TEXTFASSUNG / LESUNG: Maria Hofstätter,
Martina Spitzer

KOMPOSITION / LIVE MUSIK: Karl Stirner,
Walther Soyka

Um das Gehen, Laufen, Flanieren, das Katapultiert-Werden und andere Arten der Fortbewegung geht es in der aktuellen Produktion des Projekttheaters Vorarlberg. Die Premiere von „gehen gang gegungen“, einer Lesung mit Musik, fand im Rahmen des Walserherbstes in Vorarlberg statt. Maria Hofstätter und Martina Spitzer sammelten Texte aus der Weltliteratur und geben antiken wie zeitgenössischen Dichtern, Essayisten, Philosophen, Dramatikern, Schriftstellern und Zeitzeugen ihre starken Stimmen.

Die beiden Schauspielerinnen sind ein eingespieltes Team, das bereits lange Zeit miteinander arbeitet. Musikalisch begleitet werden sie von einem zweiten Duo. Karl Stirner spielt die Zither und Walther Soyka die Wiener Knopfharmonika. Das Musikalische als Untermalung zu bezeichnen, würde zu kurz greifen. Das harmonische Zusammenspiel von Zupf- und Handzuginstrument gibt dem Abend den Rhythmus vor. Dieser korrespondiert sowohl mit der jeweiligen Länge der Texte als auch mit deren Witz, Dramatik und Kernaussage. Ein schöner Bogen, der hier gespannt wird: die Musiker lassen die Instrumente über ihre Hände erzählen während die beiden Schauspielerinnen ihre Stimmen in Sprache und Gesang einsetzen, um letztlich zu den Körperteilen zu kommen, die Fortbewegung möglich machen. Wobei die Konzentration dieses Abends nicht auf den Füßen liegt. Maria Hofstätter und Martina Spitzer führen die Zuhörenden durch den ganzen Körper und an sämtliche Orte. Dass es 54 Körperabläufe benötigt, um gehen zu können, gehört genauso dazu, wie die Tatsache, dass denken und gehen nicht in gleichzeitiger Intensität ausgeführt werden können. Die zwei Akteurinnen nehmen das Publikum so philosophisch wie unterhaltsam mit auf eine Wallfahrt, in private Gärten oder auf einen Berggipfel.

Bekannte Autoren wie Ernst Jandl, Peter Handke, Honoré de Balzac oder Christian Morgenstern haben sich intensiv mit dem Gehen beschäftigt. Die feinen Beobachtungen eines Thomas Bernhard oder die Milieustudien im Dialekt von Friedrich Achleitner folgen einander wie eine Sitcom. Der Abend beleuchtet das Gehen, seinen Ursprung, seine Ausformung und dessen Konsequenzen und auch Chancen in sämtlichen Facetten.

Die Kompositionen von Karl Stirner und Walther Soyka tun dies auch. Und über das Gehen kann man auch geteilter Meinung sein. Während die einen behaupten, immer von verschiedenen Orten fort zu gehen, meinen die anderen, immer zu verschiedenen Orten unterwegs zu sein. Es gibt aber noch eine dritte Art des Gehens, das ist: Einfach unterwegs sein, von Nirgendwo nach Nirgendwo, gehen um des Gehens willen. Fortbewegung, wenn auch zweck- und sinnlose, ist dem Stillstand vorzuziehen!


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