Theater

Gaz - opera dystopia


Tschernobyl und Fukushima haben wir auf dem Buckel und winken aus der Zukunft, die nun ganz Gegenwart geworden ist. Haben wir etwas dazugelernt am Beginn eines möglichen Energie- und Strukturwandels?

Irgendwo, 100 Jahre in einer entfernten Zukunft, produziert eine einzelne Mega-Gasfabrik die Energie für die gesamte Weltbevölkerung. Dann explodiert das Ding. Die wenigen überlebenden Arbeiter*innen wissen nicht, ob sie rasch mit dem Wiederaufbau der gigantischen Fabrik beginnen (um die Welt-Energieversorgung zu gewährleisten) oder besser aus dem Geschehenen lernen und nach Alternativen suchen sollten. Diese dramatische Dystopie des Expressionisten Georg Kaiser aus dem Jahr 1919 fällt 100 Jahre danach genau in das Festival-Thema MYTHOS ZIVILISATION. Tschernobyl und Fukushima haben wir auf dem Buckel und winken aus der Zukunft, die nun ganz Gegenwart geworden ist. Haben wir etwas dazugelernt am Beginn eines möglichen Energie- und Strukturwandels?

Die experimentelle Oper GAZ der Regisseurin Virlana Tkacz und der ukrainischen Komponisten Roman Grygoriv und Illia Razumeiko webt ein feines Musik-und-Text-Mosaik aus Menschlichem und Mechanischem: Minimal-Elektro-Pattern, Fragmente von Belcanto-Arien, ein (de)tuned-Piano, Post-Cage-Interludes des Orchesters, Nonverbales der VokalistInnen im stählernen Bühnenkäfig, Texte aus der Konserve und ukrainische Volkslieder vermischen sich in dieser Klangfabrik und fordern uns auf, die drohende Katastrophe erneut zu durchleben, uns Alternativen zu imaginieren.

Die Gaz-Uraufführung des ukrainischen Regisseurs Les Kurbas aus dem Jahr 1923 dient der Oper als narrative Vorlage. Die Regisseurin Virlana Tkacz kuratierte im Frühjahr 2018 für das „Art Arsenal“ die Ausstellung „Kurbas: New World“.


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