Pop / Rock

Garish | Bo Candy & His Broken Hearts


Trumpf?
Vielleicht beschreibt der Titel des neuen Garish-Albums (Vö: 7.2.2014)ein bisschen den Sieg über sich selbst. Die Band hatte sich 2010, nach mehr als einer Dekade gemeinsamen Musizierens, neu erfunden. „Wenn dir das meine Liebe nicht beweist“ war ein überraschendes, vielseitiges, rohes Meisterwerk, von Kritik und Publikum äußerst wohlwollend aufgenommen. Die unbestrittenen Live-Qualitäten hat die Band wie gewohnt auf einer ausgedehnten Tour ausgelebt - gekrönt von einem denkwürdigen Abend im Burgtheater mit Element Of Crime.

Trotzdem hat es fast vier Jahre gedauert, bis ein neues, zehnteiliges Werk in den Kasten kommt. Der Schaffensprozess stand währenddessen mehrfach kurz vor dem Kollaps. „Trumpf“ beschreibt so gesehen auch den erhebenden Moment, in dem klar wurde, dass es zu fünft doch noch „etwas zu holen“ gibt. Und das nicht gerade im Sinne einer großen Karriereaussicht dank romantisch-rosaroter Bandchemie, in der Glückseligkeit ob des gemeinsamen Musizierens herrscht. Im Gegenteil: „Harmonie ist definitiv kein Antrieb für uns“, tönt die Gruppe. Vielmehr vermag es der Fünfer, die alte, physikalische Gleichung, wonach Reibung Energie erzeugt, für sich zu nutzen: „Jede Gruppe braucht ihr Arschloch – und das als Wanderpokal.“ So funktioniert eine Band also.

Das Resultat sind 40 Minuten dicht gepackter Energie. Das Album hatte im bestmöglichen Sinne eine Kanalisationsfunktion. Die Band als Ganzes ist größer. Sie ist erhaben über jedwede Widrigkeiten, die die Niederungen des Alltags einer Musikkapelle in Österreich zu bieten hat.

„Trumpf“ ist ein in jeder Hinsicht an die Spitze getriebenes Garish-Album: Gefinkelt und metaphernreich wie eh und je, dezent wütend an der Oberfläche, ironisch bis zynisch im Unterton. Ein Album, das wie immer viel Platz zum Entdecken und Interpretieren lässt; seien es T-Shirt-fähige Zitate oder verschlüsselte Bösartigkeiten. Ein Garish-Album, eben. Das dichteste und intensivste, dass die Band je gezaubert hat.

www.garish.at

Bo Candy & His Broken Hearts | Schon mit den ersten Tönen ihres zweiten Albums „Flowers Must Fade“ wird klar, dass es der fünfköpfigen Band (Arbeitsbasis Burgenland) mühelos gelingt, auf dem Debüt von 2011 aufzubauen und weiterzugehen. Die gebrochenen Herzen rund um Thomas Pronai (Garish, Beautiful Kantine Band) sind mit „Flowers Must Fade“ musikalisch heller geworden, streifen etwa bei „Trojan Horse“ selbstbewusst bei der Blues Explosion oder den Ur-Stones an.

Es sind oft die Balladen, die am nachhaltigsten bewegen, Songs wie „Two Hearts“, „Scars Of Age“ oder „She Will Be With Him“ gewinnen der Idee des Engtanzes zu Heartbreak-Lyrics - die Lyrics haben den Blues! - einiges ab.

Zu 90 Prozent live in einem Analog-Studio eingespielt, zeigt das Album Bo Candy & His Broken Hearts als konzentrierte Band, die alles herausholt, was die Stimme, die Gitarren, der Bass, die Tasten oder die Mundharmonika in genau dem Moment hergeben. Dabei gelingen Hits wie „Until The End“, das von Bassistin Judith Filimónova geschriebene und gesungene „With You“, die Ernst Molden-Übertragung „The Seagulls“ (mit sehr gepflegter Gitarre von Robert Rotifer). Alle 10 Songs vom Titelstück und Opener bis zum abschließenden „Personal Savior“ haben einen eigenen, unverwechselbaren Charakter und ihre Funktion am Album, dessen innerer Zusammenhang eine Qualität für sich ist.

„Flowers Must Fade“? Sowieso, alle Blumen, überall, müssen und werden einmal vergehen. Aber dazu müssen sie vorher erst einmal geblüht haben. Bo Candy & His Broken Hearts stehen mit „Flowers Must Fade“ in voller Blüte!

www.bocandyandhisbrokenhearts.com

www.konkord.org

Besetzung: Thomas Pronai: voc., guit., piano, harp; Julian Schneeberger: guit., voc.; Patrick Stürböth: guit.; Judith Filimónova: bass, voc.; Ivo Thomann: drums, perc., organ

Aktuelle CD: „Flowers Must Fade“ (2013), Konkord


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