Theater

Ganymed Nature


Zum fünften Mal hält die Ganymed Serie Einzug ins Kunsthistorische Museum. An 14 Abenden erweckt ein aufsehenerregendes Ensemble aus Musik, Theater und Tanz die Gemäldegalerie im Kunsthistorischen Museum Wien mit neuem Leben. 6 Kompositionen und 7 literarische Texte, inspiriert von Meisterwerken der Gemäldegalerie, werden direkt vor den Werken aufgeführt und eröffnen so neue Sichtweisen auf Alte Meister.

schaun magst
Wie jedes Jahr werden die Besucher mittels Farbleitsystem, bewaffnet mit kleinen Hockern, durch die Stationen des Museums geschleußt. Die Gemälde stellen, unter der Regie von Jacqueline Kornmüller, die thematische Grundlage der dazugehörigen Texte dar. Diesmal dreht sich alles um die oft so grausame Natur. So wird "Nymphe und Schäfer" von Tizian von einem lasziven Monolog, verfasst von Franz Schuh, über den modernen Flirt in all seiner Langweiligkeit von Petra Gstrein begleitet. Vivien Löschner inspiriert "Maria mit Kind" von Fra Bartolomeo aus dem 15. Jahrhundert dazu, die zu erwartende tödliche Passion von Jesus mit den körperlich und seelisch schmerzhaften Erfahrungen einer (oft misslungenen) künstlichen Befruchtung zu vergleichen.
Gentileschis Bild "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" wird von Rania Mustafa Ali, die über ihre grausame Flucht vor dem Krieg aus Syrien berichtet, erschreckend ins Heute geholt.

Peter Wolf wird zum lebendigen Hummer, der aus dem Bild "Großer Fischmarkt" von Joachim Sandrart herausgestiegen zu sein scheint. Das Krustentier in Menschengestalt nützt die Gelegenheit, auf die grausame Tötung der Hummer durch Kochen bei lebendigem Leib, hinzuweisen und stellt am Schluss die sehr moderne Frage: Dürfen wir Tiere töten und essen? Grundlage ist der Text "Am Beispiel des Hummers" des amerikanischen Autors, Philosophen und klugen Sonderlings David Foster Wallace, der mit seinen absurden Betrachtungen der Welt aufsehen erregte und dessen Lebensgeschichte tragisch und zu früh endete.

Weniger philosophisch betrachtet Katharina Stemberger in einem Text von Eva Menasse das Gemälde "Das Venusfest" von Rubens und sinniert bei Donnermusik von Karlheinz Essl darüber, wie wohl die zahlreichen cellulitegeplagten Engerln und Damen reagieren würden, würde sich das Bild aus seiner Erstarrtheit lösen und das Fest weiterginge.

Die wunderbare "Company of Music" lässt eine Zuseherin zu sakralen Klängen eine Himmelfahrt wie im Bild des flämischen Barockmalers Rubens unternehmen, getragen von den zahlreichen Händen und den glockenhellen Stimmen des Chores.

Gegen Ende des künstlerischen Parcours zwei Höhepunkte: Schauspieler David Oberkogler bringt einen kurzweiligen Text über einen Sonderling, der durch den Auftrag, in Nachbars Wohnung die Zimmerpflanzen zu gießen, zur Freiheit findet. Die japanische Autorin Milena Michiko Flasar hat sich vom Bild "Waldlandschaft" des Erfinders der gemalten Landschaften, Gillis van Coninxloo aus dem 16. Jahrhundert zur skurrilen Story anregen lassen.

Im nächsten Saal des Kunsthistorischen Museums steht Hoogstratens Werk "Alter Mann am Fenster" im Mittelpunkt. Raphael von Bargen erzählt dazu Ahmet Altans (geb. 1950) "Das Geflüster des Schnees", ein Text, den der türkische Autor aus dem Gefängnis schmuggeln konnte. Der Inhaftierte kann sich mit erfundenen Reisen und Freunden die Freiheit im Kopf bewahren und flüchtet so vor seinen Peinigern in eine schönere Welt. Die Gefangenschaft des Mannes im Bild Hoogstratens, der mit seiner Außenwelt dennoch kommuniziert, ist durch die Verurteilung des türkischen Journalisten Ahmet Altans im Februar aktueller denn je.

Abschließend begleiten die Strottern mit Humor und singender Säge zum Ende der Reise in luftige Höhen zum Bilderzyklus von Gustav Klimt, zwölf Meter über der Eingangshalle.

"schaun magst" der Strottern und die Bilder von Klimt versöhnen wieder mit der Natur.

Der Fotograf Helmut Wimmer begleitet die Ganymed-Serie im Kunsthistorischen Museum bereits seit Jahren mit seinen Autorenporträts. Für Ganymed Nature lässt er die Natur über das Haus am Ring hereinbrechen und in das Gebäude und die Säle eindringen. Sein fotografisches Projekt "The Last Day", bestehend aus 12 Tableaus, ist inspiriert von historischen Gegebenheiten und Umweltkatastrophen: Die Natur tritt hier im poetischsten Sinne ganz und gar in den Vordergrund.

Unterlegt wird die Ausstellung mit einer Soundinstallation von Karlheinz Essl, die ebenfalls im Rahmen von Ganymed Nature entstanden ist.
Veronika Schrödl


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